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KOLUMNE: «Fasnacht first!» - der Antiregulator

Im Auftrag unserer Zeitung ist der Antiregulator mit seinem Team unterwegs, um der überbordenden fasnächtlichen Reglementierung Einhalt zu gebieten.
Der Antiregulator strahlt vor Glück. (Bild: Philipp Schmidli (23. Februar 2017))

Der Antiregulator strahlt vor Glück. (Bild: Philipp Schmidli (23. Februar 2017))

Mehr als nur Olma-Bratwurst

Wenn ich in den Gassen unterwegs bin, erfahre ich eini­ges. Etwa, dass sich Leute über die Essensstände entlang der Reuss zwischen Post und Theater ärgern. Weiss der Guugger, was alles könne man da konsumieren! Der wahre Fasnächtler sei schon mit einer einfachen Wurst zufrieden.

Also habe ich mich heute durchs Angebot gegessen. Für alle Traditionellen: Wurst gibts überall, zum Beispiel eine Olma-Bratwurst (auf Wunsch mit Senf) oder auch St. Galler Schüblig. Ebenfalls weit verbreitet sind Schnitzelbrot, Chnoblibrot und Hotdog.

Spezieller: Pouletmöckli «Campagnolo» und Erbssuppe mit Gnagi. Exotischer: Satay-Spiessli und Crevetten. Der Holländer bietet frische Pommes frites (angeblich eine holländische Spezialität! So ein Witz!) und Poffertjes (eine Art Mini-Omeletten) an.

Für mich als Antiregulator kann die (kulinarische) Vielfalt nicht gross genug sein! Das Angebot dürfte ruhig noch etwas reichhaltiger sein. Aber wenn ich an unsere Behörden, an die IG und an andere Regulierungssympathisanten denke, befürchte ich, dass die verschiedenen Stände für sie ein gefundenes Fressen sein könnten.

Zeigen Sie Ihre Bewilligung!

Mit allem haben die Antiregulatoren gerechnet, aber sicherlich nicht damit: «Zeigen Sie Ihre Bewilligung!», sagt ein Mann zu uns. Wir dachten erst, er sei ein Oberlehrer, dann ein Polizist in Zivil. Und weiter: «Wer ist hier der Chef? Mit ihm will ich sofort sprechen!»

«Eine Bewilligung? Was ist denn das?», fragt der Mutigste von uns. Der Mann insistiert: «Jedes Gefährt braucht an der Fasnacht eine Bewilligung von der Stadt! Das ist Vorschrift.»

Wir fangen uns nach kurzer Verunsicherung schnell. Und unser Grösster erklärt: «Das ist doch kein Gefährt! Das ist ein Velo, und zwar eins für vier Personen!» Er holt Luft. Das Stichwort «Bewilligung» bringt jeden Antiregulator auf die Palme! «Und wenn Velo-Nummern nicht bereits abgeschafft worden wären, hätte ich höchstpersönlich dafür gesorgt!» Einer nimmt die mehr-bödige Brille ab, um den Mann genauer mustern zu können, und meint: «Wer sind Sie überhaupt?»

Es stellt sich heraus, dass der Mann ein Angestellter der städtischen Verwaltung ist. Das ist unsere Chance! Wir zählen im Chor sämtliche Regulierungsärgernisse auf, die wir nun direkt und ungefiltert an der richtigen Stelle loswerden können. Doch der Beamte winkt ab, freut sich darüber, dass er sich mit den Antiregulatoren einen Scherz erlauben konnte, und reicht zum fasnächtlichen Frieden die Hand. Wir erfahren: Sogar sein oberster Chef, Stadtrat Adrian Borgula, habe wahre Freude an uns Antiregulatoren.

Diese Nachricht stimmt uns milde. Wir haben nun die Gewissheit, dass wir mit unserer Botschaft im Stadthaus nicht etwa auf taube Ohren stossen, sondern dass wir viel mehr Sympathien bis in die obersten Gremien der städtischen Regulation geniessen. Einer extrem chaotischen Fasnacht 2018 steht also nichts mehr im Weg!

Noch ein Erlebnis hat uns persönlich tief berührt: An der Reuss treffen wir drei Pöstler. In alter, dunkelblauer Uniform mit gelbem Velo stehen sie parat, um ihre Post zu verteilen. Sie trauern den guten, alten Zeiten nach, wo alles noch so schön reguliert war – damals bei der PTT. Die Pöstler schenken uns eine Ausgabe der «Luzerner Zeitung» mit der Schlagzeile «Die Post gerät unter Druck». «Da, schau!», sagt einer von ihnen. «Nichts mehr ist wie früher!» Das finden wir auch – wenn auch in einem etwas anderen Sinne ...

Kurz vor dem grössten Sündenfall

Eine solche Ehre kann sich ein Antiregulator in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen: Wir durften am Fritschi-Umzug mit unserem 4-Personen-Velo teilnehmen, und zwar ganz zuvorderst! Von LFK-­Umzugschef Daniel Abächerli bekamen wir den unmissverständlichen Auftrag, an der Spitze den Weg durch die Menge zu bahnen. Die Regeln seien klar durchzusetzen! Es gehe nicht an, dass die Zuschauer über die Absperr­gitter klettern und dann mitten in der Strasse stehen würden!

Damit brachte Abächerli uns in eine äusserst heikle Situation. Die Worte des Umzugschefs gefielen uns nämlich ganz und gar nicht. Freuen wir uns doch an jedem Fasnächtler, der sich über Zäune und andere Hindernisse hinwegsetzt! Hoch lebe die chaotische Fasnacht!

Jetzt sollen wir etwas tun, was ganz unserem Naturell widerspricht? Die vielen glücklichen Zuschauer – gross und klein – wegschicken? Wir haderten. So würden wir den grössten Sündenfall in der Geschichte der Antiregulatoren produzieren!

Doch: Jeder muss einmal über seinen eigenen Schatten springen. Das wissen auch wir! Wir nutzten unsere einmalige Chance und verschafften uns gehörig viel Platz. Dank der charmanten Art, welche das Wesen der Antiregulatoren auszeichnet, machte jeder Zuschauer freiwillig einen, gar zwei Schritte zurück. Die tolle Stimmung machte uns unglaublich viel Freude, sodass wir am Helvetiaplatz noch lange nicht Schluss machen wollten! Nun hoffen wir, dass der umtriebige Umzugschef Abächerli mit unserem Einsatz zufrieden war und uns am Montag wieder engagiert.

«Fasnacht first!»

D Fasnacht z Lozärn,
es esch leider Realität,
werd immer meh zonere sträng reglementierte Spezialität.

D Behörde tüend
gärn Plän kreiere,
zum d Fasnacht klinisch-
gordnet dörefüere.

Wotsch go tanze
zo de Rathuusstäge,
chasch dis Kostüm chuum meh öber d Brogg ine träge.

Es Einbahnregime esch
ufzoge worde,
de Rüssstäg esch dodemit
quasi gschtorbe.
Es Kafi zwitschere onder
de Egg ganz lässig?
Ohni Jeton goht nüd,
so gschpässig!

Esch das werklech
wäg de Ökologie?
Oder esch do e Gäldquelle för d Stadtverwaltig met debii?
E «Crowd-Management-
Analyse» hends lo mache,
Zürcher send cho und hend beobachtet e huufe Sache.

Als Folg hed mer es paar
Verchaufsständ omegschobe, ond d Sicherheitsabständ zwösche de Grillwörscht erhobe.
Wotsch mit Grend ond Wage
uf emene Platz parkiere?
Muesch zerscht en Mitgliederbiitrag dörefinanziere.

IGs hend fascht alli Plätz
onder ehrere Verwaltig,
met Reservierigsplän sorged
sie för d Reglemäntsiihaltig.
Wildi Groppe tüend die
grosse Omzög beriichere,
allerdings wend die zerscht om d Färnsehkameras omeschliiche.

S LFK hed do offebar
au ned viel zbschtelle,
drom tueds jetzt meh Absperrgitter a de Stross ufstelle.
Met Insle wott d Stadt d Hirschmattstross neu signalisiere
ond demet die grosse
LFK-Omzogswäge blockiere.

Doch d Köfferlifasnächtler lönd sech ned usem Konzept rüere,
sie tüend de Omzog 2018 eifach dör d Winkelriedstross füere.

«Fasnacht first!» – au de Donald tued met dem Rezäpt regiere,
a de rüüdige Täg sött mer möglechscht wenig reglementiere.

Ohni Brämse fäschte,
tanze, intrigiere,
dodeför tüend sech
d Antiregulatore engagiere.

Der Antiregulator trifft an der Reuss auf die Regulatoren von der PTT. (Bild: Stefan Schmid)

Der Antiregulator trifft an der Reuss auf die Regulatoren von der PTT. (Bild: Stefan Schmid)

Der Antiregulator hat nichts gegen kulinarische Vielfalt und geniesst holländische Poffertjes. (Bild: Kilian Küttel (Luzern, 27. Februar 2017))

Der Antiregulator hat nichts gegen kulinarische Vielfalt und geniesst holländische Poffertjes. (Bild: Kilian Küttel (Luzern, 27. Februar 2017))

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