Kolumne landauf, landab
Einheimische nicht füttern

Alt Nationalrat Ruedi Lustenberger über die tolle Entwicklung der jüngsten Vergangenheit, die das Entlebuch gemacht hat. Doch trotz dem Lobgesang, in einem Punkt hapert es noch ganz gewaltig.

 Ruedi Lustenberger
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«Bitte Einheimische nicht füttern». So und ähnlich hat man uns Entlebucher damals geneckt, als bekannt wurde, dass hier das erste Biosphärenreservat der Schweiz entstehen würde. Tatsächlich, nach jahrelangen Bemühungen war es am 20. September 2001 dann soweit; in Paris wurde das Entlebuch als Unesco Biosphärenreservat anerkannt.

Von einem Tag auf den andern waren wir nicht mehr das Armenhaus, sondern das erste Biosphärenreservat der Eidgenossenschaft. Aus eigenem Antrieb haben wir uns eine neue, viel sympathischere Etikette verpasst. Das Belächeln der Idee wurde leiser, es wich langsam der Bewunderung. Und seit geraumer Zeit versucht man uns – erfolglos – zu kopieren.

Nach 20 Jahren darf sich das Ergebnis sehen lassen. Der sanfte Tourismus und die Verarbeitung regionaler Produkte bringen willkommene Wertschöpfung ins Land. Trotzdem hat man es geschafft, die Schönheit der Landschaft zu bewahren. Im Bramboden brennen nach wie vor die Kohlenmeiler, das Goldwaschen in den Napfbächen ist der absolute Hit, die Kneipanlage im Flühli hat Hochkonjunktur, und auch der Entlebucher Hochaltarist allenthalben aktiv wie eh und je.

Alles paletti also im gelobten Land Entlebuch? Fast, aber nicht ganz. Mit dem Impfen hapert es halt «gäng no chli». Nun sind sogar Impfbusse gekommen, dort wird geimpft, mit mässigem Erfolg. Es gibt noch (zu) viele Unentwegte, die partout nicht zu überzeugen sind. Ihr Motto: «Bitte Einheimische nicht impfen».

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