Kolumne
Landauf, landab: Höhenangst ist eine Verräterin

Ein gutes Selbstvertrauen hilft im Leben meistens weiter – aber nicht in ganz allen Situationen.

Luzia Mattmann, Journalistin
Luzia Mattmann, Journalistin
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Luzia Mattmann.

Luzia Mattmann.

Bild: PD

Kürzlich las ich von einer Frau, die sich an der Pariser Fashion Week hinter die Kulissen mogelte. Sie gab Interviews, als sei sie ein Model. Alle glaubten ihr, denn: Sie sah aus wie ein Model, kleidete sich wie ein Model, verhielt sich wie ein Model.

Eigentlich ganz schön frech, fand ich. Aber zumindest hat die Frau ein gesundes Selbstvertrauen.

An diese Geschichte dachte ich, als ich mit einem kleinen Grüppchen am Wandern war. Wir hatten einen leichten Aufstieg hinter uns, ein feines Picknick im Bauch, die Sonne strahlte. Und dann war da dieser Aussichtsturm. Ein sehr hoher Aussichtsturm.

Alle wollten rauf. Na klar, sagte ich selbstbewusst. Ich sah aus wie ein Wandervogel, kleidete mich wie ein Wandervogel und verhielt mich wie einer – was konnte da schon passieren.

Dachte ich. «Aber du hast doch Höhenangst», bemerkte der Knirps der Gruppe. «Kein Problem, das schaffen wir», meinte ich. Und los ging’s. Erste Plattform. Zweite Plattform. Dritte Plattform. Erst bei Nummer acht war Schluss.

Ich war völlig fertig, starrte mit leerem Blick auf den Boden und vermied es, in die Ferne zu blicken. Dann kam der Abstieg. Der Knirps war bester Laune und fragte munter drauflos: «Sag mal, warum hast du eigentlich Höhenangst? Ist das sehr schlimm? Warum hältst du dich so fest am Geländer?» Als ich unten ankam, hätte ich am liebsten geheult vor Erleichterung. Selbstvertrauen ist eine
Verräterin.