Kolumne
Mut zum Lückenfüller

Auf der Suche nach dem richtigen Wort werden Kinder zuweilen kreativ. Wir können uns davon eine Schnitte abschneiden.

Susanne Balli
Susanne Balli
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Kennen Sie das? Sie wollen etwas beschreiben und suchen nach einem Wort. Es liegt Ihnen auf der Zunge, doch es will Ihnen im Moment einfach nicht einfallen. Mich lässt das dann nicht mehr los.

Anstatt mich darüber zu ärgern, sollte ich es vielleicht so machen wie unsere fünfjährige Tochter. Der für ihr Alter grosse Wortschatz überrascht uns immer wieder. Und wenn ihr grad nicht das richtige Wort einfällt, füllt sie die Lücke mit einem anderen Wort – meistens tönt es ähnlich wie der gemeinte Begriff. Diese Strategie geschieht automatisch und ist typisch für Kinder in ihrem Alter. Ich staune jeweils, wie toll das funktioniert. Dabei ist nicht zuletzt auch für Unterhaltung gesorgt.

Beispiele gefällig: Die Tochter stolpert übers Netzkabel meines Laptops. Ich rufe etwas zu laut: «Vorsicht!» Sie sagt: «Mami, jetzt bin ich so erschrocken, ich hab fast einen Hexenschuss gekriegt.» Gemeint war wohl eher eine Herzbaracke. Manchmal werden bestehende Begriffe von ihr konkretisiert. Ich will in ihr Zimmer. Sie ruft: «Schau nicht rein, es sieht aus, als hätte eine Tischbombe eingeschlagen.»

Was alles in einer Tischbombe steckt

Was alles in einer Tischbombe steckt

Symbolbild: Urs Bucher

Und manchmal wird ein Begriff auch einfach für den eigenen Vorteil passend gemacht. Sie fragt am Sonntagmorgen nach dem Frühstück: «Mami, darf ich jetzt ein Dessert?» «Nein, doch nicht so früh am Tag.» «Aber ich hab so Lust auf ein Morgenmümpfeli.»

Ich sollte diese Strategie auch anwenden. Mein Mann behauptet zwar, ich tue dies bereits ab und zu und hätte auch schon neue Wörter erfunden. Die würde ich an dieser Stelle gerne kundtun, doch sie fallen mir beim besten Willen nicht mehr ein. Und somit endet diese Kolumne leider nicht mit einer guten Pointe, sondern ganz banane.

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