Kolumne «Stadtwärts»
Wenn die Joggingrunde in ein Toilettendebakel mündet

In der Stadt Luzern existieren zum Glück öffentliche Toiletten. Dumm nur, wenn beim Joggen sämtliche angesteuerte Einrichtungen aus diversen Gründen nicht benützbar sind.

Roman Hodel
Roman Hodel
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Joggen ist gerade hoch im Kurs. Fast so sehr wie Langlaufen. Noch nie sah ich abends so viele Jogger auf der Strasse. Auch ich gehöre zum Club der Jogger. Jetzt sogar noch ein bisschen öfter. Wie soll man sich sonst auch sportlich betätigen? Tennishalle? Geschlossen! Muckibude? Geschlossen!

Apropos geschlossen ‒ neulich also beim Joggen. Die Cityrunde musste es sein. Ich joggte entlang der Reuss, am Schlossberg, durchs Hirschmatt-Quartier. Im Vögeligärtli machte sich die Blase bemerkbar. Perfekt, dachte ich. Hier hat's ein öffentliches WC. Ich wartete und wartete; vergewisserte mich zwischendurch, ob wirklich das Besetztzeichen leuchtet. Momoll. Denn vor Jahren hatte ich an der Fasnacht vor der Toilette am Mühlenplatz gewartet und gewartet. Bis ein Herr, der hinter mir in der Schlange stand, sich genervt vordrängelte, die Türe aufriss und mir zurief «da ist ja gar niemand drin». Das war peinlich, aber erklärbar. Ich war nicht ganz bei Sinnen. Kann ja mal vorkommen.

Im Vögeligärtli allerdings ging die Tür nicht auf. So joggte ich halt weiter ‒ zur Ufschötti. Ziel: die öffentliche Toilette. Und siehe da ‒ hier war zwar nicht besetzt, dafür ganz geschlossen. Nebenbei wurde mein Bedürfnis immer dringender. Ich joggte weiter Richtung Tribschen. Beim Richard-Wagner-Museum steht das nächste öffentliche WC. Meine Rettung! Aber Sie ahnen es. Genau. Geschlossen! Wegen Reinigung. Nun reichte es mir. Offiziell ging die Sache so weiter: Mit bald 48 sich im Siedlungsgebiet draussen am helllichten Tag erleichtern? Schwierig. Ich biss daher auf die Zähne und joggte nach Hause. Das müssen Sie mir glauben.