Kolumne
«Stadtwärts»: Wir zügeln nie wieder!

Den Satz «Wir zügeln nie wieder!» hat unser Autor schon mehrfach gehört – und bisher nie nachvollziehen können. Nach seinem ersten «richtigen» Umzug hat sich das nun schlagartig geändert.

Simon Mathis
Simon Mathis
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Woher kommt nur all das Zeug?

Woher kommt nur all das Zeug?

Symbolbild:Urs Jaudas/Keystone (23. März 2010)

Es ist ein Satz, den ich im Bekanntenkreis mehrfach gehört habe: «Ich zügle nie wieder!» Meistens begleitet von einem tiefen Seufzer, der von Frust und Müdigkeit erzählt, aber auch von Erleichterung über einen jüngst erfolgten Umzug. Wann immer ich das hörte, dachte ich: «Was haben die nur alle? So schlimm ist Zügeln nun auch wieder nicht.»

Als Student, dessen Möbel man an einer Hand abzählen konnte, hatte ich damals natürlich gut reden. Vor kurzem aber bin ich mit meiner Freundin vom Bramberg in die Tribschenstadt gezogen; jetzt endlich verstehe ich diesen Satz, der mir in der Vergangenheit so fremd schien. Ich habe ihn mir selbst angeeignet. Er wurde zu unserem gemeinsamen Mantra. Beinahe täglich blickten wir uns an und versicherten uns: «Wir zügeln nie wieder!» Und schon wurde der Umzugsstress ein kleines bisschen erträglicher.

Dafür entpuppte sich ein anderer Satz als Selbsttäuschung: «Zum Glück haben wir nicht so viel Zeug!» Das glauben wohl alle – bis der ganze Kram in gefühlt hundert Schachteln verteilt in der neuen Wohnung herumsteht. Jene Kisten haben dazu geführt, dass ich diese Zeilen mit noch immer platten Füssen und müden Augen schreibe. Und trotzdem: Als wir beim Einräumen bewusst jedes Teil anschauten, lernten wir unsere Habseligkeiten von neuem wertschätzen. Auch das kann zu einem bewussteren Konsumverhalten führen. Nun ja, trotz dieser netten Erkenntnis bleibt ein Satz (hoffentlich) wahr: Wir zügeln nie wieder!