Kolumne «Stadtwärts»
Wunder gibt es immer wieder

Alles in allem lief es unserer Autorin im zu Ende gehenden Jahr gut. Einige Begebenheiten haben sie aber dennoch zum Staunen gebracht.

Sandra Monika Ziegler
Sandra Monika Ziegler
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Am Jahresende drängt sich eigentlich ein Rückblick auf das vergangene Jahr auf. Also blicke ich zurück und komme zur Erkenntnis: Alles in allem lief es mir persönlich gut. Die von einigen bejammerten Einschränkungen haben mich nicht sonderlich eingeschränkt, das Leben ging weiter, wenn auch anders. Trübsal blies ich deswegen aber keinen.

Da hat sich mein ausgeprägter Grundoptimismus nach dem Motto «es gibt fast immer einen Weg» durchgesetzt. Ich habe das 2021 gesund geimpft und geboostert überlebt, ich bin also privilegiert. Das ist mir auch bewusst, ich habe keinen Grund zum Jammern und bin dankbar. Einige Begebenheiten haben mich aber zum Staunen gebracht. Die möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

So etwa der Gemeindepräsident einer Luzerner Landgemeinde, der mir unverblümt ins Telefon schrie: «Ich sage Ihnen dann schon, wenn es etwas zu schreiben gibt.» Oder der «spezielle» Arzt, der erst gar nicht mit mir sprechen wollte, da ich eh von der Lügenpresse sei. Ein Treffen mit Maske und Abstand lehnte er ab, trotz mehrerer Anfragen.

Grosse Feuerwerke gibt's an Silvester/Neujahr auch diesmal nicht. Dieses Bild soll ein bisschen trösten.

Grosse Feuerwerke gibt's an Silvester/Neujahr auch diesmal nicht. Dieses Bild soll ein bisschen trösten.

Bild: Keystone

Ebenso zum Staunen, quasi mit offenem Mund, brachte mich der Aufwind, den Flacherde-Anhängerinnen und -Anhänger aktuell erleben. Nein, das ist echt kein Witz. Warum die Erde nun doch eine Scheibe und keine Kugel ist, wurde mir – mein Ehrenwort – weder unter Drogen noch Alkohol erklärt. Nur ich habe es nicht begriffen, weshalb ich hier nicht weiter darauf eingehen will. Es ist doch kaum zu glauben, dass es das noch gibt nach Galileo Galilei (1564 – 1642).

Andere wiederum, die vom Leben gebeutelt und von vermeintlichen Ungerechtigkeiten torpediert wurden, schreiben mir in kurzen Worten ihre besten Wünsche. Grund zum Jammern hätten diese Menschen mehr als genug: Job verloren, störrisches Sozialamt oder eine Scheidung haben sie aus der Bahn geworfen. Oft nehmen sie mehrere Anläufe, oft gelingt es nicht. Vieles haben sie verloren, den Respekt vor dem Menschen jedoch nicht. Bei diesen möchte ich mich für die lieben Worte bedanken und zolle Respekt.

Die beschriebenen, unterschiedlichen Reaktionen einfach mit der Coronasituation abzutun, würde zu kurz greifen. Vielmehr hat der Umgang mit Mitmenschen mit dem eigenen Charakter zu tun. Entweder ist der nötige Respekt vorhanden oder er fehlt. Ob diese Menschen aber irgendwann den nötigen Respekt noch finden – steht wohl in den Sternen. Doch wie hiess es bereits bei Cicero oder Seneca? «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Oder auch der Schlager aus den 1970er-Jahren «Wunder gibt es immer wieder» beschwor, dass es besser kommt.

So oder so: Danke an alle, die mir mit Respekt begegnet sind, und alles Gute für 2022!