Kolumne «U20»

Neuschnee und Nebel

Die Füsse wie eingefroren und taub, die Atmung wegen der dünnen Höhenluft beeinträchtigt – die winterliche Bergtour auf den Uri Rotstock war die Anstrengung dennoch wert.

Elia Zurfluh*
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Elia Zurfluh, 18 Jahre, Kantonsschule Willisau.

Elia Zurfluh, 18 Jahre, Kantonsschule Willisau.

Bild: PD

Nachdem ich die schmale, kurvige Strasse nach Isenthal und danach weiter bis zuhinterst ins Kleintal gefahren bin, steige ich endlich aus dem Auto. Es ist noch früh am Morgen, es fängt langsam an zu dämmern und die Welt erwacht.

Eineinhalb Stunden später und etwa 800 Höhenmeter weiter oben komme ich in den ersten Schnee. Bisher war die Tour nicht anspruchsvoll, der Weg ist sehr gut gekennzeichnet und die Temperatur angenehm.

Jetzt wird’s etwas anspruchsvoller, denn der Weg mitsamt den Markierungen befindet sich nun unsichtbar unter der weissen Schneedecke – zum Glück habe ich eine Karte!

Langsam, aber stetig steige ich einem grossen, steilen Schneefeld entlang, welches mich auf ein Hochplateau, wo früher wohl einmal ein Gletscher war, führt. Hier mache ich eine erste Pause.

Bisher war das Laufen trotz des Schnees recht angenehm, doch langsam aber sicher nimmt mit der Höhe auch die Schneemenge zu. Gerade hier im Plateau hat der Wind viel Schnee in den Senkungen angehäuft, bei jedem Schritt sinke ich bis zum Knie ein, und das Vorwärtskommen ist unglaublich anstrengend.

Nochmals zwei Stunden später komme ich endlich auf den Grat. Meine Füsse sind wie eingefroren und taub. Die letzte Stunde war ich vollkommen im Nebel, versank teilweise hüfttief im Schnee und meine Lunge hatte wegen der grossen Anstrengung, kombiniert mit der dünnen Höhenluft, viel zu tun.

Doch jetzt sind es nur noch einige hundert Meter, dank des Windes zur Abwechslung mal (fast) ohne Schnee, bis zum Gipfel. Kaum beim Kreuz angekommen, gibt es einen Riss in den Nebel, und einige Augenblicke später durfte ich die Aussicht des Uri Rotstock bei schönstem Sonnenschein geniessen. So dauert es bloss wenige Minuten und alle Anstrengungen sind ver­gessen.

*Elia Zurfluh, 18 Jahre, Kantonsschule Willisau. In der Kolumne «U20» äussern sich Kantonsschüler zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.