Kolumne

Oh du Fröhliche: Konstruktive Weihnachten

Manche freuen sich auf das Essen, andere auf ein gemütliches Zusammensein mit der Familie. Bei Alexander von Däniken drehte sich in seiner Kindheit meistens alles um Pakete mit vier Grossbuchstaben.

Alexander von Däniken
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Alexander von Däniken, Leiter Ressort Kanton

Alexander von Däniken, Leiter Ressort Kanton

Nadia Schärli

Lego! Die Antwort auf die Frage, was ich mir zu Weihnachten wünsche, fiel in meiner Kindheit fast immer gleich aus. Auch das Ritual nach dem Auspacken: Ich zog mich in eine Ecke zurück, legte mir die Anleitung zurecht – und versank in meiner eigenen Welt. Das nahm fast schon autistische Züge an.

Einmal waren wir bei meinem Onkel und meinem Gotti zu Besuch. Das feine Essen vor der Bescherung schlang ich runter – um dann die ganze Familie manisch an die Bescherung zu Erinnern. Das Lego-Päckli (danke Gotti!) war dieses Mal besonders gross: ein Sportwagen mit beweglichen Kolben im Achtzylinder-Motor, Getriebe mit vier Gängen und Vierradlenkung. Anzahl Teile: 1403. Zeit: zu knapp.

Als meine Eltern wieder nach Hause fahren wollten, sträubte ich mich. Erst als sie mir versicherten, der unfertige Bausatz werde behutsam ins (grosse) Auto gelegt, ergab ich mich meinem Schicksal. Um mich zu Hause sogleich wieder meinem Auto zu widmen. Die fertigen Häuser und Autos demontierte ich jeweils nach einer Weile wieder, um etwas Neues daraus zu machen. So entstanden Grossstädte oder die Nachbildung eines Dinosaurierparks rund um den Küchentisch.

Natürlich habe ich noch andere Erinnerungen an Weihnachten: Wie mein Bruder mit der Gitarre und ich mit der Blockflöte (später dem Saxofon) Weihnachtslieder spielten oder wie meine Mutter Weihnachtsgeschichten vorlas. Doch die Klötzchen haben langfristig und rückblickend dominiert, wie die vier grossen Kisten zeigen, die sich angesammelt haben.