Kommentar

Ärztinnen und Pfleger laufen am Limit: Die Warnungen der Spitäler sind ernst zu nehmen

Kaum freie Intensivbetten, das Personal am Anschlag: Die Pandemie bringt die Spitäler an ihre Grenzen – auch in der Zentralschweiz. Um einen Kollaps des Gesundheitssystems verhindern, müssen Politik und Gesellschaft besser auf Ärzte und Pflegefachkräfte hören.

Alexander von Däniken
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Der Gegensatz ist offensichtlich: Auf der einen Seite wollen Skeptiker nicht wahr haben, wie stark Coronapatienten unsere Spitäler belasten. Und einzelne Kantonsregierungen lassen die Skigebiete trotz Warnungen ihrer Akutkliniken offen. Auf der anderen Seite tauschen sich die Zentralschweizer Spitäler jeden Tag über die allerletzten freien Intensivbetten der ganzen Region aus. Und Christoph Henzen, Leiter des Departements Medizin am Luzerner Kantonsspital, berichtet von einer hohen Belastung des Personals, die sogar noch steigen wird, je länger die Pandemie andauert.

Was bei Vergleichen mit dem für viele Spitäler «milden» Frühling oft untergeht: Anders als damals behandeln die Ärztinnen und Pfleger nun schon seit langen Wochen wesentlich mehr Coronapatienten – zusätzlich zu allen anderen Personen mit einem akuten körperlichen Leiden.

Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass dieser Sondereffort noch länger nötig sein dürfte. Denn der virenfreundliche Winter hat eben erst begonnen. Um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern, muss die Politik die Situation in den Spitälern noch stärker gewichten, wenn es um die Festlegung neuer Massnahmen geht. Das gilt erst recht für allfällige Lockerungen derselben. Und die Bevölkerung sollte die angeordneten Massnahmen konsequent umsetzen – wenn nicht für sich selbst, dann wenigstens für Tausende Ärzte, Pflegerinnen und Patienten.