Kommentar
Ambulant vor stationär: Trend genau beobachten

Im Kanton Luzern hat der Anteil der ambulanten Behandlungen laut einer neuen Studie abgenommen. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

Dominik Weingartner
Dominik Weingartner
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Ausgerechnet im Kanton Luzern hat der Anteil von ambulanten gegenüber stationären Behandlungen abgenommen. Das zeigt eine neue Studie des Krankenkassenverbandes Curafutura, welche die Entwicklung zwischen 2015 und 2019 beleuchtet. Das Ergebnis ist insofern erstaunlich, weil Luzern Pionierkanton ist beim Prinzip «ambulant vor stationär». Seit Mitte 2017 beteiligt sich der Kanton an gewissen Eingriffen nur noch, wenn sie ambulant durchgeführt werden. Ausnahmen gibt es nur in begründeten Einzelfällen.

Dass in Luzern der Anteil der ambulanten Behandlungen zwischen 2015 und 2019 dennoch um 3,5 Prozent gesunken ist, während er in anderen Kantonen zum Teil um zweistellige Prozentpunkte gestiegen ist, wirft Fragen auf. Ein Erklärungsansatz ist, dass im Vergleichszeitraum die absolute Zahl der ambulanten Eingriffe noch stärker gesunken ist als jene der stationären Eingriffe. Dafür spricht die Tatsache, dass die Ausgaben laut Kanton in der für das Prinzip relevanten Eingriffsgruppe zwischen 2016 und 2018 um 4,4 Millionen Franken gesunken sind. Auch sei die Zahl der stationären Eingriffe in dieser Gruppe gesunken.

Kosteneinsparungen waren der Hauptgrund für die Einführung des ambulanten Primats. Das ist offenkundig gelungen. Der Kanton Luzern hat deshalb recht, wenn er sagt, die Strategie sei nicht gescheitert. Der Grundsatz «ambulant vor stationär» ist weiterhin richtig. Dennoch sollte der Kanton die Studie ernst nehmen und sich Gedanken darüber machen, wieso er im Gegensatz zur grossen Mehrheit der Kantone einen sinkenden Anteil an ambulanten Eingriffen hat.