Kommentar
Annäherung halbwegs geglückt

Der Bundesrat sucht mit seinem Apéro im Verkehrshaus Luzern wieder den direkten Kontakt mit der Bevölkerung. Das ist gut. Allerdings war die Atmosphäre gar künstlich.

Roman Hodel
Roman Hodel
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Auf ein Glas mit dem Bundesrat. Was in anderen Ländern unvorstellbar wäre, geht bei uns in der Schweiz. Die Nähe zwischen Volk und Regierung ist auf allen Ebenen – von der Gemeinde bis zum Bundesstaat – ein wichtiges Gut. Leider hat diese Nähe in den vergangenen Monaten gelitten. Selbst in der auf Konsens ausgerichteten Schweiz wird inzwischen gerne eingeteilt. In diesem Fall: Entweder ihr seid für die Corona-Massnahmen – oder dagegen. Ein Dazwischen gibt es kaum (mehr).

Bundespräsident Guy Parmelin prostet einem Apéro-Teilnehmer zu.

Bundespräsident Guy Parmelin prostet einem Apéro-Teilnehmer zu.

Bild: Peter Schneider (Luzern, 13. Oktober 2021)

Mit dem Apéro im Verkehrshaus in Luzern demonstrierte der Bundesrat nicht nur eine allmähliche Rückkehr zur Normalität, sondern er suchte auch (wieder) den direkten Kontakt zur Bevölkerung. Zu allen. Ungeimpfte konnten ebenfalls daran teilnehmen, getestet wohlverstanden. Das ist der Landesregierung hoch anzurechnen. Denn der Anlass stellte durchaus ein Wagnis dar. Nach den Aufrufen zu Gegen-Demos musste man mit allem rechnen. Das zeigte das massive Polizeiaufgebot. Dass am Ende nur rund 60 Demonstrierende vor dem Verkehrshaus aufgetaucht sind, dürfte viele überrascht haben. Nicht zuletzt jene, die dazu aufgerufen hatten.

Der Bundesrat kann den Anlass jedenfalls als Erfolg abbuchen und viele Teilnehmende sind glücklich, ein Selfie ergattert zu haben. Allerdings: Ein wirklicher Austausch mit der Bevölkerung fand kaum statt. Hierfür war die Atmosphäre schlicht zu künstlich, zu gezwungen. Was auch daran liegen dürfte, dass es nur so wimmelte von Personenschützern.

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