Kommentar

Anstieg bei Stadtluzerner Sozialhilfequote ist schmerzlich, aber erklärbar

Die Auswirkungen der Coronakrise zeigen auch die Risiken auf, die bestehen, wenn sich eine Region stark auf eine bestimmte Branche fokussiert - im Fall von Luzern der Tourismus.

Roman Hodel
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Roman Hodel.

Roman Hodel.

Plus acht Prozent mehr Sozialhilfeempfänger innert weniger Monate in der Stadt Luzern. Das ist viel, das macht Angst. Vor allem auch, weil alle anderen grossen Städte in der Schweiz – bis auf Genf – dieses Problem (noch) nicht haben. Doch die Zahl ist erklärbar. Keine vergleichbare Stadt ist so stark auf den Tourismus ausgerichtet wie Luzern, wo Tausende Arbeitsplätze davon abhängen. Und kaum eine Branche ist während der Coronapandemie weltweit so stark eingebrochen wie diese.

Glücklicherweise gibt es in der Stadt noch andere wichtige Branchen wie die Pharmaindustrie oder die Versicherungskonzerne. Und das restliche Kantonsgebiet ist ohnehin eine Hochburg der KMU-Betriebe.

Freilich nützt dies den Betroffenen, die nun untendurch müssen, wenig. Es führt aber letztlich allen schmerzhaft die Risiken vor Auge, die bestehen, wenn sich eine Region stark auf eine bestimmte Branche fokussiert. Dies bekam während der Finanzkrise 2008 etwa die Stadt Zürich zu spüren.

Zwar ist noch unklar, wann der weltweite Tourismus wieder in Gang kommt – und in welcher Form. Aber Luzern ist zu attraktiv, als dass es je von der Bucket-List der Touristen verschwinden würde. Und damit dürften auch viele Arbeitsplätze zurückkehren. Nur: Bis dahin braucht es Durchhaltevermögen – und einen grosszügigen Staat.