Kommentar
Anti-Fleisch-Kampagne der christlichen Hilfswerke: Gut gemeint, schlecht gemacht

Ist es Bevormundung? Eine Kampfansage an die Landwirtschaft? Die laufende Kampagne der christlichen Entwicklungsorganisationen Brot für alle und Fastenopfer sorgt für Kritik – zu recht.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Die aktuelle Plakatkampagne der christlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle sorgt für Unmut.

Die aktuelle Plakatkampagne der christlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle sorgt für Unmut.

Bild PD

Ein Paar grilliert in heiterer Stimmung Fleisch, es wirft dabei Schatten – und diese Schatten zeigen abgebrannte Bäume. Daneben der Slogan: «Weniger Fleischkonsum. Mehr Regenwald.» Es handelt sich um die aktuelle ökumenische Kampagne der christlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle. Die Aussage des Plakates ist eindeutig: Wenn du grillierst, brennst du damit Regenwald nieder.

Keine Überraschung, dass die christliche Anti-(Grill-)Fleisch-Kampagne für Kritik sorgt. In bäuerlichen Kreisen, in der Politik, aber auch bei Kirchenvertretern. Je nach Perspektive kann die Kampagne als Bevormundung, als Angriff auf die hiesige Landwirtschaft oder als politischer Positionsbezug gewertet werden. Gezielt wird mit der Kampagne hingegen auf die Überproduktion von Fleisch, vor allem in Südamerika auf Kosten von Regenwaldflächen.

Man hätte annehmen können, dass die christlichen Organisationen und Pfarreien nach der teils heftigen Debatte um deren Parteinahme bei der Konzernverantwortungsinitiative eine Lektion gelernt hätten. Ist aber nicht so. Der Einsatz für den Klimaschutz, gegen (Fleisch-)Überproduktion ist zweifellos gerechtfertigt. Und das geht auch nicht ohne plakative Botschaften. Die Kirchen sollen aber für alle da sein. Wenn nur noch der weltanschaulich geneigte Teil der praktizierenden Christen angesprochen und der Rest verärgert wird, dann brauchen sich die Kirchen nicht über Mitgliederschwund zu wundern. Kurz: Gut gemeint, schlecht gemacht.