Kommentar «Chefsache»
Behauptungen der Eichwäldli-Bewohner sind unverschämt

Gebrauchsleihvertrag, Zwischennutzung, Besetzung, Fristerstreckungen, die Bewohner verweigern den Auszug ... Der Irrlauf um die alte Soldatenstube Eichwäldli in der Stadt Luzern soll nun beendet werden: Der Stadtrat hat Strafanzeige eingereicht, die Polizei soll das baufällige Holzgebäude räumen. Endlich geben sich die Luzerner Behörden konsequent.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Aussenansicht der baufälligen Soldatenstube bei der ehemaligen Kaserne auf der Luzerner Allmend.

Aussenansicht der baufälligen Soldatenstube bei der ehemaligen Kaserne auf der Luzerner Allmend.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 24. November 2020)

Die alte Soldatenstube auf der Allmend gehört der Stadt Luzern und soll nun definitiv weg. Der Holzbau ist nicht mehr zu retten. Die Bewohner wollen aber weiterhin nicht raus. Die Stadtregierung hat Strafanzeige eingereicht, die Polizei soll das Gebäude räumen. Die «Familie Eichwäldli» lässt indes nichts unversucht auf den letzten Metern, gewinnt gar Architekten als Fürsprecher. Erstaunlich, dass der marode Zweckbau, auch wenn er vom bekannten Luzerner Architekten Armin Meili (1892-1981) stammt, nun plötzlich ein erhaltenswertes Baudenkmal sein soll.

Noch viel erstaunlicher: Ausgerechnet die offen systemkritischen Bewohnerinnen und Besetzter wählen als Dienstleister für ihre Bedürfnisse den Staat aus, also das unliebsame demokratische System. Und regelrecht unverschämt ist es, dass sie einen Tag vor Erreichen der Räumungsfrist öffentlich behaupten, die Stadt dürfe ohne Gerichtsverfahren die Räumung gar nicht beantragen, da es sich hier um einen Mieterstreit handle. Mieter? Die wechselnde Bewohnerschaft hat keinen roten Rappen in die Stadtkasse gezahlt! Eine Miete war im Gebrauchsleihvertrag mit der Stadt Luzern nicht enthalten. Im Gegenteil hat die Stadt sogar 150'000 Franken für die Notsicherung des Gebäudes investiert.

Eine Sanierung wäre wirtschaftlich unverhältnismässig. Das Haftungsrisiko ist erheblich. Die Behörden waren bei Nutzungsdauer und Fristen eh zu lange kulant. Es ist nur konsequent, dass nun endlich ein Schlussstrich gezogen wird.