Kommentar «Chefsache»
Frauenfaktor wird entscheidend bei der Luzerner Regierungswahl 2023

Seit nunmehr sieben Jahren wird der Kanton Luzern ausschliesslich von Männern regiert. Für die Wahlen im 2023 wird die Frauenfrage ein zentraler Faktor – auch wenn die alle fünf bisherigen, zum Teil bereits sehr lange amtierenden Regierungsräte mit einem Wiederantritt liebäugeln.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Die drei Luzerner Regierungsratskandidatinen (von links): Ylfete Fanaj, Melanie Setz, Yvonne Zemp Baumgartner bei der Präsentation der Kandidatur der SP Luzern für die Regierungsratswahlen 2023.

Die drei Luzerner Regierungsratskandidatinen (von links): Ylfete Fanaj, Melanie Setz, Yvonne Zemp Baumgartner bei der Präsentation der Kandidatur der SP Luzern für die Regierungsratswahlen 2023.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 9. März 2023)

Internationaler Tag der Frau: Die Präsidentin der eidgenössischen Kommissionen für Frauenfragen, Yvonne Schärli, formuliert im Gastbeitrag in unserer Zeitung unmissverständlich: Der rein männliche Luzerner Regierungsrat sei «irgendwie aus der Zeit gefallen.» Die Luzerner alt SP-Regierungsrätin postuliert, dass Regierungsräte nach 12 oder 16 Jahren «Platz machen» sollen.

Tags darauf lanciert die SP den Regierungsratswahlkampf 2023: Gleich drei valable Kandidatinnen stehen zur Auswahl – das ist strategisch und politisch klug. Und nochmals tags darauf schlägt das Pendel voll zurück: Alle fünf Männer der bürgerlichen Regierung liebäugeln derzeit damit, 2023 wieder anzutreten. Und dies obwohl drei von ihnen – Schwerzmann, Graf, Wyss – dann bereits 16, 13 und 12 Amtsjahre vorweisen werden. Weiter im Amt bleiben zu wollen, das ist das gute demokratische Recht eines jeden Regierungsrates. Gerade auch darum, weil die Stimmbürgerinnen und -bürger diese reine Männerregierung gewählt und bestätigt hat.

Frisch (wieder-)gewählt: Die Luzerner Männerregierung im Mai 2019 (von links): Paul Winiker (SVP), Reto Wyss (Mitte), Guido Graf (Mitte), Fabian Peter (FDP) und Marcel Schwerzmann (parteilos).

Frisch (wieder-)gewählt: Die Luzerner Männerregierung im Mai 2019 (von links): Paul Winiker (SVP), Reto Wyss (Mitte), Guido Graf (Mitte), Fabian Peter (FDP) und Marcel Schwerzmann (parteilos).

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 19. Mai 2019)

Der gesellschaftspolitische Diskurs steht allerdings heute an einem auffällig anderen Punkt als noch 2015, als die SP-Kandidatin für Schärlis Nachfolge chancenlos war. Der Frauenfaktor, die Gleichberechtigungsfrage hat zurecht enorm an Bedeutung zugelegt. Und zwar in allen politischen Lagern. Die Forderung, den Frauen in der Luzerner Regierung Platz zu machen, ist darum nicht nur richtig, sie ist auch wahltaktisch massgeblich. Das gilt selbstredend auch für die bürgerlichen Parteien.

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