Kommentar «Chefsache»
Kanton Luzern untersagt Schnelltest-Einsatz im Altersheim – das ist Bürokratie in Höchstform

Was tun, um für die alten und besonders gefährdeten Heimbewohner, das Personal sowie die Besucherinen und Besucher zusätzlich vor der Pandemie zu schützen? Im Horwer Alterszentrum wollte man auf die in Österreich längst zugelassenen Spuckschnelltests setzen – bis der Kantonsapotheker dazwischenfuhr. Das ist unverständlich.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Marco Müller, Leiter des Alterszentrums Horw, mit einem der in Österreich zugelassenen Corona-Spuckschnelltest.

Marco Müller, Leiter des Alterszentrums Horw, mit einem der in Österreich zugelassenen Corona-Spuckschnelltest.

Bild PD

Die Eigeninitiative, der pragmatische Weg und das Ziel verdienen Applaus: Das Alterszentrum Horw will zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner, des Personals und der Angehörigen präventiv auf Covid-19 testen. Beim Eingang sollen Besucherinnen und Besucher freiwillig in ein Röhrchen spucken. Mit solchen Schnelltests soll der Schutz der alten Menschen zusätzlich verstärkt werden. Weil in der Schweiz besagte Schnelltests aber noch immer nicht zugelassen sind, hat das Horwer Alterszentrum solche in Österreich gekauft.

Bloss: Das Horwer Schnelltest-Regime konnte diese Woche nicht starten – der Luzerner Kantonsapotheker fuhr in die Parade. Er untersagte die Anwendung der Tests, weil sie eben noch nicht zugelassen seien. Man wolle nicht ausscheren und auf den Segen des BAG warten. Der Kantonsapotheker erklärt die harte Haltung auch so: Die Testresultate seien «nicht weiter verwendbar und gültig». Ganz ehrlich: Das ist doch piepegal! Es geht hier nicht darum, die Testresultate in die statistische Ewigkeit zu giessen. Es geht hier einzig und allein um eine epidemiologische Momentaufnahme. Die Schnelltests sind eine zusätzliche Schutzmöglichkeit für die besonders gefährdeten Menschen eines Altersheims.

Anstatt Bürokratie und Formalismus in Höchstform zu pflegen, wäre hier seitens des Kantons Gelassenheit angezeigt. Zur Erinnerung: Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) selber hatte im Januar die Heime zu möglichst breitem (Schnell-)Testen angehalten.