Kommentar «Chefsache»
Luzerner Stadtrat will Alibifrau statt Fachmann – das ist schädlich

In der Verkehrskommission der Stadt Luzern sollte für die freiwillig engagierten Quartiervereine ein neues Mitglied Einzug halten. Obwohl fachlich ausgewiesen, lehnt der Stadtrat das neue Mitglied ab – weil es ein Mann ist. Man setze damit nur die geltende Quotenregelung um, heisst es. Die Stadtregierung erweist der Frauenförderung damit einen Bärinnendienst.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Stadtschreiberin Michèle Bucher (ganz links) mit dem Luzerner Stadtrat (von links): Martin Merki (FDP), Franziska Bitzi (Mitte), Stadtpräsident Beat Züsli (SP), Manuela Jost (GLP) und Adrian Borgula (Grüne).

Stadtschreiberin Michèle Bucher (ganz links) mit dem Luzerner Stadtrat (von links): Martin Merki (FDP), Franziska Bitzi (Mitte), Stadtpräsident Beat Züsli (SP), Manuela Jost (GLP) und Adrian Borgula (Grüne).

Bild: Dany Schulthess (Luzern, 28. Juni 2020)

«Keine von uns hat Interesse daran, in dieser Kommission Einsitz zu nehmen – schon gar nicht nur deswegen, weil wir halt Frauen sind.» Wow, das sitzt! Die Vizepräsidentin des Dachverbandes der Stadtluzerner Quartiervereine sagt klipp und klar, dass sie mit folgendem Entscheid nicht einverstanden ist: Der Stadtrat lehnt die Einsitznahme eines Bau- und Umweltingenieurs in der Verkehrskommission ab, weil er ein Mann ist. Die Folge: Ein langjähriges bisherige Mitglied musste seine Demissionierung kurzfristig zurückziehen, damit die Quartiervereine – bei denen im siebenköpfigen Vorstand drei Frauen dabei sind – weiterhin vertreten bleiben. Es handelt sich hierbei notabene um Freiwilligenarbeit. Die FDP fordert den Stadtrat nun mit einem Vorstoss auf, den Entscheid zurückzunehmen.

Die Stadtschreiberin sagt, man setze lediglich das Gleichstellungsprogramm um. Und sie betont, man habe niemanden vor den Kopf stossen wollen. Das ist zwar glaubwürdig, man tut es mit der formalistischen Order aber dennoch. Und wenn die Stadtschreiberin erklärt, es gebe ja gar keine Notwendigkeit für einen schnellen weiblichen Ersatz, da ja die Demissionierung zurückgezogen worden sei, dann wirkt das zynisch.

Selbstverständlich braucht es mehr Frauen in den politischen Gremien! Und das soll auch aktiv gefördert werden. Die Geschichte zeigt aber exemplarisch auf, wie schädlich starre Quotenregeln sein können. Lieber eine Alibifrau als ein Fachmann? Genau solche Entscheide hintertreiben das wichtige Bemühen um Geschlechtergerechtigkeit.

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Marcel Moser

Frau Henseler, Warren Buffet ein grosser Wirtschafts-Magnat sagte mal: "Die Frauenquote fördert nicht die Frauen, sie fördert die Mittelmässigkeit, denn die guten Frauen brauchen keine Quote denn sie werden auch an die entsprechenden Stellen geholt." Soviel zum Thema Quote. Vielleicht sollte sich der Stadtrat mal die Worte Buffets zu Gemüte führen.

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