Kommentar
FCL-Cupfeier: Regelverstoss wird stillschweigend akzeptiert

Der FC Luzern ist Cupsieger. 10'000 Fans kamen an die Feier. Diese war vorbereitet, obwohl Stadt und Polizei erklärten, dass eine öffentliche Siegesfeier nicht möglich sei.

Robert Knobel
Robert Knobel
Merken
Drucken
Teilen

Es ist, als hätte es die Pandemie nie gegeben: 10'000 zogen am Pfingstmontag durch Luzerns Strassen und feierten den Sieg ihres Clubs. Masken waren kaum anzutreffen, dafür viel Alkohol, Feuerwerk und 12 Tonnen Abfall. Noch im Vorfeld hatten Stadt und Polizei erklärt, dass eine öffentliche Siegesfeier nicht möglich sei - mit Verweis auf die 15-Personen-Regel. Doch die Appelle wirkten gekünstelt. Die Luzerner Polizei erklärte im selben Atemzug, man werde bei Nicht-Einhaltung der Coronaregeln «Verhältnismässigkeit» walten lassen.

Heute wissen wir: Es gab sehr wohl eine öffentliche Siegesfeier. Sie war vorbereitet worden, Infrastruktur wurde aufgestellt - und selbst der Luzerner Polizeivorsteher liess es sich nicht nehmen, sich ins Getümmel zu mischen, wie dieses Bild zeigt:

Paul Winiker (rechts) und Kudi Müller vor dem Stadion.

Paul Winiker (rechts) und Kudi Müller vor dem Stadion.

Bild: Keystone

Die Polizei intervenierte nicht und verhinderte auch nicht die Sachschäden von mehreren Tausend Franken. Derweil sorgte der Stadtpräsident persönlich dafür, dass der FCL beim Stadion mit den Fans feiern konnte.

War dieses Vorgehen «verhältnismässig»? Die Regeln hätten sich wohl nur unter massivem Einsatz von Gewalt durchsetzen lassen. Ein Dilemma. Die Polizei wollte die friedliche Stimmung klugerweise nicht zum Eskalieren bringen. Diese Strategie kennt man von Corona-Demos in der ganzen Schweiz. Es ist aber auch verständlich, wenn sich all diejenigen verschaukelt fühlen, die sich seit anderthalb Jahren akribisch an alle Vorgaben halten. Würden sie nicht auch gerne mal ausgelassen feiern? Was in Luzern passierte, ist ein Signal: Die Bereitschaft, die noch immer strengen Massnahmen mitzutragen, schwindet zusehends. Das gilt offenbar nicht nur für Fussballfans, sondern auch für die Behörden, die Regelverstösse im grossen Stil stillschweigend akzeptieren.