Kommentar
Kräfte lieber für Bypass-Verbesserungen einsetzen als für einen Verzicht

Ein neu gegründetes Komitee will das Autobahnprojekt Bypass in Luzern verhindern. Die Fundamentalopposition löst das Verkehrsproblem allerdings nicht – und kommt sowieso zu spät.

Roman Hodel
Roman Hodel
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Neue Strassen zu bauen wirkt im Zeitalter von Klimastreiks für viele schräg. Deshalb verwundert es nicht, dass ein neues Komitee von Umweltverbänden den Bypass verhindern will. Die Erfolgsaussichten sind allerdings gering. Der Zeitpunkt für Fundamentalopposition ist gar spät. Die Pläne für die Luzerner Autobahnumfahrung, das grösste Strassenbauprojekt der Zentralschweiz, sind weit fortgeschritten, es laufen bereits die Einspracheverhandlungen.

Die Gegner nehmen sich Biel zum Vorbild, wo eine Bürgerbewegung die Autobahn verhindert hat. Nur: Dort wäre eine neue Strecke mitten durch die Stadt gebaut worden. Das Projekt war umstritten quer durch alle Bevölkerungsschichten und Parteien – ähnlich wie die Spange Nord. In Luzern hingegen führt die Autobahn heute schon durch die Stadt. Und genau dies soll der Bypass ändern.

Hier im Grosshof-Gebiet würde der Bypass von der bestehenden Autobahn abzweigen.

Hier im Grosshof-Gebiet würde der Bypass von der bestehenden Autobahn abzweigen.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 10. Mai 2021)

Das Komitee bemängelt weiter, dass der Bypass nicht der Verlagerung des Autoverkehrs hin zum ÖV oder Velo dient – im Gegenteil. Wobei: Gerade Staus behindern heute den ÖV. Auch dies würde sich mit dem Bypass ändern. Und: In ländlichen Gebieten wie der Zentralschweiz wird der motorisierte Individualverkehr auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

Trotzdem hat das Projekt Verbesserungen nötig; etwa die Überdachung bei Kriens und weitere flankierende Massnahmen, die etwa in der Innenstadt eine durchgehende Busspur ermöglichen. Es wäre daher wichtiger, wenn die Gegner ihre Kräfte für mehr Zugeständnisse seitens Bund einsetzen würden, anstatt eine wenig aussichtsreiche Verhinderungspolitik zu betreiben.