Kommentar
Lockerung der Schutzmassnahmen: Bundesrat muss pragmatischer sein

Die epidemiologische Lage ist stabil, die Impfquote steigt ebenso wie die Immunitätsrate in der Bevölkerung. Bei aller notwendigen Vorsicht und wichtigen Risikoabwägung: Der bundesrätliche Lockerungsplan mit seinem Vier-Wochen-Schritten ist zu starr.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Alles dicht: Die Zentralschweizer Kantonsregierungen setzen sich beim Bundesrat ein für eine raschere Öffnung der seit Weihnachten 2020 geschlossenen Gastronomiebetriebe.

Alles dicht: Die Zentralschweizer Kantonsregierungen setzen sich beim Bundesrat ein für eine raschere Öffnung der seit Weihnachten 2020 geschlossenen Gastronomiebetriebe.

Bild Patrick Huerlimann (Luzern, 29. Dezember 2020)

Der Grossist verramscht diese Woche das 50er-Pack Schutzmasken zum halben Preis, für unter 5 Franken. Auch dies kann man als Zeichen dafür werten, dass wir inzwischen übersättigt sind von der Pandemie. Eine Vielzahl der Kantone, insbesondere die Zentralschweiz, stützt zwar den bundesrätlichen Plan, wonach die Lockerungen der Schutzmassnahmen schrittweise erfolgen sollen. Aber das Tempo sei zu langsam, so die Kantone, vor allem mit Blick auf die stark leidende Gastronomie und Zulieferer.

Die Kantone drücken zu Recht: Die Test-Positivitätsrate liegt stabil unter 5 Prozent, die Fallzahlen sinken, in den Spitälern gibt es immer weniger Covid-19-Patienten. Zudem wachsen Impfquote und Immunitätsrate in der Bevölkerung sukzessive. Die bedachte und risikobewusste Vorgehensweise der Landesregierung ist im Grundsatz zwar richtig, ein starrer, in Vier-Wochen-Schritten definierter Öffnungsfahrplan ist es aber nicht. Umgekehrt lief das Verschärfen der Massnahmen, der Lage angepasst, ja auch viel zügiger. Der Pandemieverlauf hat gezeigt, dass Prognosen und Rechenmodelle nicht zuverlässig sind.

Nein, das ist keine Aufforderung zum leichtsinnigen und kopflosen Überbordwerfen der Schutzmassnahmen. Aber es ist angesichts der epidemiologischen Lage ein Plädoyer an den Bundesrat, pragmatischer vorzugehen. Und vor allem auch den angeschlagenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gesundheitszustand höher zu gewichten als bisher.