Kommentar
Luzerner Gemeinden verrechnen sich massiv – das hat System

Die Rechnungen der Luzerner Gemeinden schliessen viel besser ab als erwartet. Das ist erfreulich – und kann doch problematisch sein.

Dominik Weingartner
Dominik Weingartner
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Horw - hier der Ortsteil Kastanienbaum - schloss 2020 so gut ab wie keine andere Gemeinde.

Horw - hier der Ortsteil Kastanienbaum - schloss 2020 so gut ab wie keine andere Gemeinde.

Archivbild: Philipp Schmidli

Um rund 163 Millionen Franken haben sich die Luzerner Gemeinden bei den Budgets für das Jahr 2020 verrechnet. Eine enorme Summe. Viele Gemeinden gingen von einem schlechten Jahr aus, schlussendlich mussten aber nur sechs Gemeinden ein Defizit vermelden. Klar: Die Auswirkungen des Monumentalwerks Aufgaben- und Finanzreform (AFR) 18 waren für die Gemeinden nur schwer vorhersehbar. Es ist verständlich, dass die Finanzvorsteher darum vorsichtig – und wie sich nun zeigt eher pessimistisch – kalkulierten.

Aber dass Gemeinden zu pessimistisch budgetieren, ist kein Phänomen, dass es erst seit der AFR 18 gibt. Das Muster ist bereits länger zu beobachten und hat wohl auch damit zu tun, dass positive Rechnungsabschlüsse nach einem negativen Budget in der Öffentlichkeit besser ankommen. Man kann sich dann auf die Schultern klopfen und die Ausgabendisziplin der Verwaltung loben, durch deren Effort dieses tolle Ergebnis erzielt werden konnte. Um dann gleichzeitig wieder zu mahnen, man dürfe sich jetzt nicht auf den Lorbeeren ausruhen – und für das nächste Jahr wieder pessimistisch zu budgetieren.

Das ist an und für sich nicht problematisch. Die Steuerzahler haben ein Interesse daran, dass Verwaltungen haushälterisch mit ihren Mitteln umgehen. Problematisch wird es, wenn auf Vorrat Leistungen abgebaut werden, nur um anschliessend mit einem positiven Abschluss glänzen zu können. Hier sind auch die Bürger gefragt, bei den Budgets genau hinzuschauen.