Kommentar
Luzerner Service-Portal: Noch lässt sich ein weiteres Debakel vermeiden

Keine klaren Ziele, fehlende Transparenz: Die fünf bevölkerungsstärksten Luzerner Gemeinden kritisierten das Projekt für ein Online-Service-Portal. Einiges scheint schief zu laufen. Das heisst aber nicht, dass bereits das nächste Software-Debakel programmiert ist.

Christian Glaus
Christian Glaus
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Grosse Informatikprojekte bereiten dem Kanton Luzern derzeit Probleme. Nach der Schuladministrationssoftware, die erst 2023 statt wie geplant 2019 in Betrieb gehen soll, gibt es nun Ärger mit dem sogenannten Service-Portal. Auf diesem soll die Bevölkerung möglichst alle Dienstleistungen von Kanton und Gemeinden online beziehen können. Die fünf bevölkerungsstärksten Gemeinden wollen ihre Beiträge an das Millionenprojekt wegen fehlender Transparenz jedoch vorerst nur auf ein Sperrkonto überweisen.

IT-Projekte sind hochkomplex; vor allem, wenn sie verschiedene Staatsebenen betreffen. Dennoch müssen angesichts der Kritik von Luzern, Emmen, Kriens, Horw und Ebikon sämtliche Alarmglocken läuten. Die Gemeinden wissen offenbar nicht, wofür ihr Geld, das sie jährlich überweisen müssen, verwendet wird. Es fehlten klar definierte Verantwortlichkeiten, «Meilensteine» und Resultate. Alles Punkte, die für ein erfolgreiches IT-Projekt essenziell sind. Dass Regierungsrat Reto Wyss als oberster Verantwortlicher das Ausmass der Kritik offenbar bisher nicht bekannt war, ist bedenklich.

Der Aufbau des Service-Portals muss nicht zu einem Debakel werden, wie dies bei der Schuladministrationssoftware der Fall ist. Voraussetzung ist aber, dass die Verantwortlichen beim Kanton und dem Verband der Luzerner Gemeinden auf den Hilferuf reagieren. Möglich, dass sich dadurch das Service-Portal weiter verzögert. Das wäre aber immer noch weniger schlimm als Millionen von Steuerfranken in den Sand zu setzen.