Kommentar
Mediterrane Nächte: Der Luzerner Stadtrat denkt zu bünzlig

Längere Öffnungszeiten der Restaurantterrassen in lauen Sommernächten: Das will der Luzerner Stadtrat nicht – und zeigt sich damit mutlos.

Christian Peter Meier
Christian Peter Meier
Drucken
Teilen
Restaurantgäste geniessen die Abendstimmung an der Reuss.

Restaurantgäste geniessen die Abendstimmung an der Reuss.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 10. Mai 2021)

Bern oder Thun kennen sie im Sommer schon länger – so genannte mediterrane Nächte, in denen die Aussengastronomie in Teilen der Stadt auch nach Mitternacht noch geöffnet haben darf. In St. Gallen läuft derweil ein erfolgreicher Pilotversuch. Und in Luzern? Hier möchte der Stadtrat lieber alles so lassen, wie es ist. Sprich: Im Winter soll draussen weiterhin um 23 Uhr, im Sommer um 24 Uhr Schluss sein. Dies lässt er in seiner Antwort auf einen FDP-Vorstoss verlauten.

Schade. Die Partei macht einen zeitlich begrenzten Pilotversuch beliebt, der bei «übermässigen Lärmreklamationen» sogar abgebrochen werden könnte. Dass sich der Luzerner Stadtrat darauf nicht einlassen will, ist mutlos. Mit seiner Absage gewichtet er (durchaus relevante) Argumente wie die Nachtruhe oder die Ungleichbehandlung von Gastronomiebetreibenden stärker als das Bedürfnis vieler nach mehr sommerlicher Lebensfreude.

Wie gross dieses Bedürfnis ist, zeigte sich gerade während der beiden letzten Sommer: Die improvisierten Aussenbeizli waren sicher nicht nur wegen Corona oftmals proppenvoll. Vor der eigenen Haustür haben unzählige Einheimische die lauen Nächte so lustvoll genossen, als wären sie zwei Flugstunden weiter südlich – mit dem einzigen Unterschied, dass bei uns Punkt Mitternacht leider Schluss war. Fazit: Den Bünzli in uns allen sollten wir nicht nur in den Ferien überwinden. Das Parlament kann den Sommernachtstraum noch wahr werden lassen.

Aktuelle Nachrichten