Kommentar
Panne bei Steuer-Software: Kanton Luzern hat die Bürger aus den Augen verloren

Für 200'000 Franken hat der Kanton Luzern eine neue Software für die Steuererklärung entwickeln lassen. Die Probleme, welche die Steuerzahler damit haben, versucht er kleinzureden.

Christian Glaus
Christian Glaus
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Viele haben Mühe mit der neuen Steuer-Software des Kantons Luzern. Dieser will neue Programme künftig auch «mit weniger computeraffinen Personen testen».

Viele haben Mühe mit der neuen Steuer-Software des Kantons Luzern. Dieser will neue Programme künftig auch «mit weniger computeraffinen Personen testen».

Symbolbild: Pius Amrein

Die Steuererklärung auszufüllen, ist kein Spass. In diesem Jahr aber wird diese Pflicht im Kanton Luzern für viele zum regelrechten Ärgernis. Der Kanton hat nämlich eine neue Software entwickeln lassen, um die nächsten Schritte der Digitalisierung vorzubereiten – und dabei offensichtlich seine «Kunden» aus den Augen verloren. Viele Steuerzahler kommen mit dem Programm nicht klar.

Bei allem Verständnis für Kinderkrankheiten: Der Kanton versucht die Probleme kleinzureden, indem er betont, das Programm funktioniere technisch gut. Wer in der Anwendung Mühe habe, sei zu wenig computeraffin. Damit schiebt er die Probleme den älteren Semestern in die Schuhe.

Das geht so nicht! Entwickelt man ein neues Programm, muss man sich an der Zielgruppe orientieren. Diese besteht nun mal nicht nur aus Digital Natives. Wenn es schon nicht gelingt, eine benutzerfreundliche Anwendung zu entwickeln, muss der Kanton mindestens die technische Unterstützung in ausreichendem Umfang sicherstellen. Auch das hat er nicht geschafft. Wegen Überlastung ist inzwischen der Helpdesk telefonisch nicht mehr erreichbar. Immerhin gibt es Grund zur Hoffnung: Langsam aber sicher wächst beim Kanton die Einsicht, dass er bei seinem 200'000-Franken-Projekt die Bedürfnisse der Anwender vernachlässigt hat. Nun gilt es, die Lehren aus dieser Panne zu ziehen – damit künftige Informatikprojekte auch wirklich nutzerfreundlich sind.