Kommentar

Psychiatermangel im Kanton Luzern: Mehr Geld allein wird nichts nützen

Ein neuer Planungsbericht zeigt die Schwächen in der psychiatrischen Versorgung im Kanton Luzern auf. Die vorgeschlagenen Massnahmen sind gut. Doch ob das Hauptproblem entschärft wird, ist fraglich.

Alexander von Däniken
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Alexander von Däniken

Alexander von Däniken

Erstmals seit 25 Jahren entsteht wieder ein eigenständiger Planungsbericht über die psychiatrische Versorgung im Kanton Luzern. Was seither nie ausführlich unter die Lupe genommen worden ist, rückt damit in den Fokus – zu Recht. Denn das 95-seitige Dokument, das sich derzeit in der Vernehmlassung befindet, deckt die Schwächen der psychiatrischen Versorgung im grössten Zentralschweizer Kanton schonungslos auf.

Besonders gravierend ist die Situation bei den Psychiaterinnen und Psychiatern mit eigener Praxis. Sie sind der wichtigste Pfeiler des Grundsatzes «ambulant vor stationär», der nicht nur für akute medizinische Behandlungen gilt. Doch es gibt zu wenige niedergelassene Psychiater – vor allem auf der Landschaft. Bei den Kinder- und Jugendpsychiatern herrscht laut dem Kanton sogar ein Notstand. Die Luzerner Psychiatrie versucht schon seit Jahren, mit dem Ausbau von Ambulatorien entgegenzuhalten. Doch das allein reicht nicht, wie die teils monatelangen Wartezeiten zeigen.

Die vorgeschlagenen Massnahmen klingen vor diesem Hintergrund logisch: Ein Kriseninterventionszentrum kann helfen, schneller auf psychiatrische Notfälle zu reagieren. Zudem soll der Kanton im ambulanten Bereich mehr ungedeckte Kosten übernehmen. Doch ob mehr Geld reicht, um den Fachkräftemangel zu entschärfen, muss bezweifelt werden. Vielmehr braucht es wohl einen Effort bei der Rekrutierung von Psychiatern.