KOMMENTAR: Teurer Imageschaden

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Bäche, Flüsse und Seen zählen zu den Schätzen der Zentralschweiz. Immer wieder aber trüben negative Schlagzeilen die Aussichten auf diese Naturjuwelen: 82 Mal kam es im Kanton Luzern letztes Jahr zu Gewässerverschmutzungen. Bei jeder dritten war Gülle im Spiel. An einigen Orten liess diese wegen technischer Mängel Bachlebewesen kläglich verenden. Hinter der Mehrheit der zehn Fälle von Fischsterben stand jedoch menschliches Versagen: Hier wurde ein Schieber falsch gestellt, dort blieb das Überlaufen des Güllenlochs unbemerkt.

Luzerner Bauern pflegen eine tierintensive Landwirtschaft. So lebt etwa über ein Drittel des Schweizer Schweinebestands in hiesigen Ställen. Während sich die Gülleunfälle der übrigen Zentralschweizer Kantone – sofern erfasst – beinahe an einer Hand abzählen lassen, kam es in Luzern 2016 zu 27 Vorfällen. Sieben mehr als 2015. Landwirtschaftsexperten und Bauernvertreter betonen: In den letzten Jahren habe sich die Zahl der Gülleunfälle bei rund 30 eingependelt, der Trend sei leicht rückläufig. Aber: Jedes Schadenereignis ist eines zu viel.

Sind die heutigen Sanktionen zu lasch? Nein, sagen Bauern und Fischer unisono. Bussen von bis zu 2000 Franken und die Kürzung von Direktzahlungen reichen. Stattdessen setzen sie auf stärkere Sensibilisierung und starten abermals eine Kampagne. Vorsichtstafeln sollen die Achtsamkeit erhöhen, Checklisten technische Mängel erkennen lassen. Solche Hilfestellungen müssen genutzt werden. Denn ärger als jede Busse ist der immaterielle Schaden, den Gülleunfälle Bauern bescheren. Jeder Vorfall kratzt am Image. Dies kann sich eine ohnehin schon ächzende Erwerbsbranche schlicht nicht leisten.

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch