Kommentar

Skifahrer halten sich nicht an Kantonsgrenzen

Vor Weihnachten hat die Solidarität unter den Zentralschweizer Kantonen gespielt: Alle Skigebiete in der Region mussten ihren Betrieb einstellen. Jetzt hat wieder jeder für sich entschieden. Das hat nicht nur Vorteile.

Flurina Valsecchi
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Autorin Flurina Valsecchi

Autorin Flurina Valsecchi

Eine Region, ein Verbot: Vor Weihnachten standen die sechs Zentralschweizer Kantone zusammen und schlossen ihre Skigebiete. Jetzt ist es bereits wieder vorbei mit der Einigkeit rund um den Vierwaldstättersee. Während Schwyz und Luzern ihre Regelung bis mindestens am 7. Januar verlängern, können die Bergbahnen in Uri, Nid- und Obwalden heute wieder auf den Startknopf drücken. Ebenso die kleinen Anbieter in Zug.

Was ist passiert? Jede Regierung hat die Zahl der Erkrankten analysiert und mit dem berühmten R-Wert hantiert. Da und dort mag auch das Lobbying der mächtigen Wirtschaftsträger eine Rolle gespielt haben. Wenn einem schon das Weihnachtsgeschäft verwehrt wurde, wolle man doch wenigstens über Silvester und Neujahr öffnen. So sind die Urner, Zuger, Nid- und Obwaldner zum Schluss gekommen, dass eine Inbetriebnahme für ihren eigenen Kanton verantwortbar ist – für den Moment zumindest.

Die einen Skigebiete freut's jetzt natürlich sehr. Andere sind bitter enttäuscht, kämpfen sie in der Region Zentralschweiz doch alle um einen ganz ähnlichen Publikumskreis. Denn Skifahrerinnen und Snowboarder halten sich nicht an Kantonsgrenzen: Ist der Stoos geschlossen, fährt man halt nach Andermatt oder auf den Titlis.

Damit ist der Sache wenig gedient. Hoffentlich verrechnen sich die nun offensiveren Regierungen nicht. Denn sollten die Fallzahlen demnächst deutlich steigen und – im schlimmsten Fall – sogar die Kapazitäten in kleineren Spitälern nicht mehr ausreichen, müssten sie wiederum auf die Solidarität der vorsichtigeren Kantone zählen. Gutnachbarschaftliche Verhältnisse kann man auch strapazieren.