Kommentar
Ladenschluss-Debatte: Die Stadt Luzern hat ihr Ziel erreicht

Der Luzerner Stadtrat verzichtet vorerst auf die Schaffung einer Tourismus-Zone mit längeren Öffnungszeiten. Nun hofft er auf den Kantonsrat.

Robert Knobel
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Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region Luzern

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region Luzern

Die Stadt Luzern sistiert ihre Pläne für eine «Tourismuszone» mit verlängerten Ladenöffnungszeiten. Der Entscheid kommt wenig überraschend. Die Gegner von längeren Öffnungszeiten haben immer betont, sie würden sich keinen Schritt bewegen, solange die Stadt ihre Pläne einer Tourismuszone nicht ad acta legt. Mit einem Vorschlag, der die wöchentliche Einkaufszeit netto um 30 Minuten verlängert, haben Gewerkschaften, Detaillistenverband und Parteien die Stadt unter Zugzwang gesetzt.

Ist der Luzerner Stadtrat also vor den Liberalisierungs-Gegnern eingeknickt? Die Drohkulisse mag eine Rolle gespielt haben. Viel entscheidender ist aber, dass die Stadt mit ihren Plänen für eine Tourismuszone bereits viel erreicht hat: Nur ihrem Vorpreschen ist es zu verdanken, dass man überhaupt wieder über die Ladenöffnungszeiten spricht – was noch vor wenigen Monaten undenkbar war. Hinzu kommt, dass nun mit einer Motion ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch liegt, der den Bedürfnissen der Stadt weit entgegen kommt. Auch diese Motion hätte es ohne den Wirbel, den die Stadt Luzern verursacht hat, nie gegeben.

Doch jetzt ist der Moment, die Maximalforderungen wieder zurück zu stellen. Das Wichtigste ist, dass die Motion ohne weitere Störmanöver an die Kantonsregierung überwiesen werden kann. Denn der Vorstoss ist der kleinste gemeinsame Nenner aus Haltungen, die teils Lichtjahre auseinander liegen. Mit der Motion ist ein Kompromiss gelungen, der die Öffnungszeiten kaum ausdehnt, aber trotzdem den veränderten Einkaufsgewohnheiten Rechnung trägt.

Ist die Motion einmal auf Kurs, brauchen die Politiker nur noch für eine sinnvolle Detailgestaltung des Gesetzes zu sorgen. So muss sichergestellt werden, dass die Läden beim Abendverkauf weiterhin einen Spielraum geniessen, etwa bei der Auswahl des Wochentags. Auch der für viele Kunden besonders ärgerliche Ladenschluss vor Feiertagen (17 Uhr) muss im Zuge der Gesetzesrevision dringend angepasst werden.