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Kommerzielle Airbnb-Anbieter in Luzern wehren sich gegen Kritik: «Wir tragen dazu bei, dass weniger Wohnungen leer stehen»

Die SP Luzern stört sich an Firmen, die kommerziell Wohnungen via Airbnb vermieten. Diese verteidigen ihr Geschäftsmodell als «normales KMU».
Chiara Stäheli
An der Brändligasse in der Stadt Luzern vermietet Hitrental Wohnungen über die Plattform Airbnb. (Bild: Corinne Glanzmann, 7.August 2019)

An der Brändligasse in der Stadt Luzern vermietet Hitrental Wohnungen über die Plattform Airbnb. (Bild: Corinne Glanzmann, 7.August 2019)

Firmen, die Wohnungen mieten und diese auf der Internetplattform Airbnb weitervermieten, stehen in der Kritik. Die SP will kommerzielle Airbnb-Angebote in Luzern einschränken. Eine dieser Firmen ist die Hitrental AG. Sie vermietet in Luzern rund 100 Wohnungen, darunter solche im ehemaligen Hotel Schiff und in den Hochhäusern auf der Allmend. Geschäftsleiterin Stephanie Hess kann die Aufregung nicht verstehen: «Das Ganze wird dramatisiert. Wir sind ein normales KMU, das sich an die Regeln hält, Steuern und Kurtaxen zahlt.»

Die Wohnungen mietet das Unternehmen direkt von Eigentümern, wie Hess sagt: «Personen, die ihre Wohnung nicht vermieten können oder diese untervermieten wollen, kommen auf uns zu, damit wir das für sie übernehmen.» Dies seien häufig teure Wohnungen oder Studios, die sich nicht für die gewöhnliche Dauervermietung eignen würden. «Oft sind das Wohnungen, die lange leer standen und dank Airbnb wieder sinnvoll genutzt werden.»

Dem pflichtet Patrik Berisha, Geschäftsführer von Keyforge, bei: «Die Leerwohnungsziffer in der Stadt Luzern ist seit 2015 stark gestiegen. Mit unserem Angebot leisten wir einen Beitrag, dass weniger Wohnungen leer stehen.» Seine Firma vermietet in der Stadt Luzern total 37 Wohnungen.

Eigentümer sind über Nutzung informiert

Mit den Eigentümern der Wohnungen schliessen die Firmen Verträge ab: «Wir kommunizieren klar, dass die Wohnungen auf Airbnb untervermietet werden», erklärt Hess. Ähnlich äussert sich Berisha: «Selbstverständlich sind alle Eigentümer darüber informiert, in welcher Form Keyforge die Wohnungen nutzt.» Dass der Vermieter über eine Untermiete informiert wird, ist gemäss Mietrecht Pflicht (siehe unten).

Zum Vorwurf, dass die kommerziellen Anbieter der Bevölkerung Wohnraum wegnehmen, sagt Hess:

«Wenn ein Hotel gebaut wird, nimmt dieses auch Wohnraum weg. Da fragt aber niemand nach - auf Airbnb hingegen wird herumgehackt.»

Dabei gehe oft vergessen, dass Airbnb den nachhaltigen Tourismus fördere und daher sehr gefragt sei. Zudem seien viele Leute auch während längerer Zeit in einer der Wohnungen. «Oftmals vermieten wir die Wohnungen für mehrere Monate an Personen, die beispielsweise aus dem Ausland kommen und dann von hier aus eine dauerhafte Unterkunft suchen», so Hess.

Und Berisha fügt an: «Die Airbnb-Gäste sind sehr wertvoll für die Wertschöpfung. Sie bleiben länger, treten nicht in Massen auf und benötigen keine Car-Parkplätze.»

«Von einer solchen Marge können wir nur träumen»

Trotzdem wollen SP-Kantonsrat David Roth und Grossstadtrat Cyrill Studer Korevaar Firmen wie Hitrental und Keyforge den Riegel schieben. Was ihnen besonders aufstösst, sind die Renditen, die erzielt werden. In einem Bericht, den sie gestern veröffentlicht haben, zeigen sie folgendes Beispiel auf: Eine Wohnung in der Luzerner Neustadt kostet monatlich rund 2300 Franken. Wird diese über Airbnb vermietet, kommen bei einer Auslastung von 80 Prozent pro Monat Erträge von mehr als 11000 Franken zusammen. Daraus ergibt sich eine Rendite von knapp 9000 Franken.

Mit dieser Rechnung ist Hess von Hitrental nicht einverstanden: «Von einer solchen Marge können wir nur träumen. Wir haben Fixkosten wie Löhne und Mieten sowie Reinigungs-, Strom- und Internetgebühren, die wir bezahlen müssen.» Das Beispiel entspreche daher in keiner Weise der tatsächlichen Rendite.

Das bestätigt auch Berisha von der Keyforge GmbH: «Wenn man einfach den Mietzins in Relation zu den Umsätzen sieht, ist das falsch - dieser macht nur etwa ein Drittel der Kosten aus.» Roth kritisiert denn auch nicht nur die Firmen, ebenso nimmt er private, kommerzielle Anbieter in die Pflicht:

«Es gibt viele Kleinanbieter, die etwa aus der Stadt Luzern wegziehen, ihre Wohnung aber behalten und über Airbnb untervermieten.»

Das entspreche ebenfalls nicht der gewünschten Kleinnutzung und dem Ziel von Sharing Economy.

Roth und Studer fordern deshalb, dass die Stadtregierung eine Regulierung prüft. Eine solche wurde vor einem Jahr in Genf eingeführt: Dort dürfen Mieter ihre Wohnung nur noch während 60 Tagen pro Jahr über Plattformen wie Airbnb untervermieten.

Eine Beschränkung der Mietdauer wäre für Keyforge «existenzbedrohend», wie Berisha sagt: «Wenn wir unser Angebot einschränken oder gar ganz einstellen müssten, wäre das nicht nur für uns ein Verlust. Auch die Stadt Luzern und das Gewerbe würden leiden.» Vielmehr müsse man sich dem Wandel, der sich gerade beim Buchungsverhalten für Unterkünfte vollziehe, anpassen.

Ähnlich sieht das Hess von Hitrental: «Hotels sind nicht mehr das, was die Leute in erster Linie suchen.» Deshalb seien Angebote auf Airbnb stärker denn je gefragt. Zudem sei Hitrental bereits jetzt im Gespräch mit der Stadt Luzern. Und auch Patrik Berisha zeigt sich bereit, an einem runden Tisch mit den Behörden «Lösungswege mitzugestalten».

Das gilt es bei der Vermietung über Airbnb zu beachten:

Die Plattform Airbnb steht allen Anbietern offen, die temporär eine freie Unterkunft zu vermieten haben. Dabei gilt es besonders für Mieter einige Punkte zu beachten:

- Bevor ein Objekt auf Airbnb ausgeschrieben wird, muss der Mieter von seinem Vermieter die Erlaubnis einholen, dass er die Wohnung für eine befristete Zeit untervermieten darf.

- Bei einer Untermiete ist der Mieter verpflichtet, den Mietzins, den er von den Airbnb-Gästen verlangt, dem Vermieter mitzuteilen.

- Wenn missbräuchliche Bedingungen vorliegen, kann der Vermieter eine Untermiete verbieten. Der Vermieter kann seine Zustimmung beispielsweise verweigern, wenn das Mietobjekt in der Untermiete überbelegt wird oder die Gäste mit ihrem Verhalten die Nachbarn stören.

- Auch dürfen Objekte gemäss Mietrecht nicht untervermietet werden, wenn sich der Mieter durch einen überhöhten Mietzins bereichern will. Ein angemessener Aufpreis für Reinigung, Administration und Möblierung darf verlangt werden.

- Der Mieter haftet für Schäden, die der Untermieter anrichtet. Daher empfiehlt es sich, einen schriftlichen Vertrag abzuschliessen.

Dass es sich lohnt, die Richtlinien aus dem Mietrecht zu beachten, zeigt ein Fall aus der Stadt Zürich: Dort wurde 2017 ein Mieter gebüsst, der seine Wohnung über Airbnb untervermietet hat. Andere Mieter haben sich über das Verhalten der Gäste gestört. Das Urteil des Mietgerichts lautete wie folgt: «Bietet der Mieter aufgrund seines Verhaltens in der Vergangenheit keine Gewähr für eine korrekte Untervermietung über Buchungsplattformen, kann ihm diese ganz untersagt werden.»

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