«Kommt nicht nach Luzern»: Stadtrat riegelt Luzerner Seeufer ab

Nun macht es auch die Stadt Luzern: Grosse öffentliche Plätze in der Innenstadt werden bis auf Weiteres abgesperrt. Und der Stadtrat will keine Auswärtigen mehr in der Stadt sehen.

Robert Knobel
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Der Luzerner Quai wird in Zukunft abgesperrt sein.

Der Luzerner Quai wird in Zukunft abgesperrt sein.

Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 3. April 2020

Luzern hat länger zugewartet als andere Städte, doch jetzt hat auch der Luzerner Stadtrat beschlossen, Orte in der Innenstadt abzusperren, an denen sich bei schönem Wetter jeweils besonders viele Menschen aufhalten. Namentlich sind dies der Quai (Pavillon bis Lido), der Europaplatz vor dem KKL sowie das Inseli. Am Schweizerhofquai werden zudem 30 Sitzbänke abmontiert, um den Ort zusätzlich unattraktiv zu machen. Die Massnahme tritt am Samstag in Kraft und gilt bis auf Weiteres, wie die Stadt mitteilt. Diese Zonen (rot) werden gesperrt:

Noch am 24. März sagte der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli gegenüber unserer Zeitung, man wolle eine Sperrung von öffentlichen Plätzen möglichst vermeiden: «Es ist wichtig, dass die Stadtbevölkerung weiterhin die Möglichkeit hat, sich im öffentlichen Raum zu bewegen», so Züsli damals. Wie ist diese Kehrtwende zu erklären? «Wir haben am vergangenen Wochenende, vor allem am Samstag, festgestellt, dass immer noch zu viele Leute in der Stadt unterwegs waren», sagt Züsli. An stark frequentierten Orten mit engen Platzverhältnissen, insbesondere am Seeufer in der Innenstadt, hätten die Distanzregeln überhaupt nicht eingehalten werden können. Zur Erinnerung: Gruppenbildung von mehr als fünf Personen ist im öffentlichen Raum verboten, zudem gilt es einen Sicherheitsabstand von zwei Metern zu anderen Personen einzuhalten.

Schliessung von weiteren Plätzen ist möglich

Die Stadt habe möglichst lange zugewartet, doch jetzt sei diese Massnahme unvermeidbar, so Züsli. Er macht auch klar, dass die Stadt bei Bedarf weitere Plätze schliessen würde, wenn sich die Menschenansammlungen einfach an andere Orte wie beispielsweise die Ufschötti verlagern. Im Visier hat die Stadt zudem die Sportplätze. «Wir erhalten Rückmeldungen, dass dort die Distanzregeln nicht eingehalten werden. Wir werden deshalb am kommenden Wochenende die Kontrollen auf Sportplätzen verstärken», sagt Züsli. Er betont gleichzeitig, es sei nicht das Ziel, möglichst viele Plätze zu schliessen, sondern nur dort, wo es nicht anders geht.

Wie lange die Sperrung der Plätze aufrechterhalten bleibt, hänge von der «allgemeinen Entwicklung» ab, sagt Züsli. Mit anderen Worten: Solange der Bund keine Lockerungen beschliesst, wird wohl auch die Stadt an ihren Massnahmen festhalten.

Nicht-Städter sollen zu Hause bleiben

Auch wenn ab Samstag die wohl schönste Kulisse Luzerns nicht mehr zugänglich sein wird – Spazieren im Freien bleibt weiterhin erlaubt, solange man sich an die Distanzregeln hält. Beat Züsli sagt es so: «Bleiben Sie zu Hause oder gehen Sie dorthin, wo keine grösseren Menschenansammlungen zu erwarten sind.» In einer Stadt ist dies allerdings gar nicht so einfach – selbst abseits vom belebten Seeufer. Der Luzerner Stadtrat appelliert deshalb an alle potenziellen Besucher der Stadt, sie sollen Luzern zurzeit möglichst meiden – ganz speziell am Wochenende und an Ostern.

Und mit «Besucher» sind nicht nur Touristen gemeint, sondern auch die Einwohner der Agglomeration Luzern. Auch sie sollen nur noch in unvermeidlichen Fällen in die Stadt kommen, so die offizielle Botschaft des Stadtrats. Immerhin schreibt er in seiner Medienmitteilung: «Wer geschäftlich unbedingt nach Luzern kommen muss, darf dies weiterhin.»

Dieses Bild wird es vorerst nicht mehr geben.

Dieses Bild wird es vorerst nicht mehr geben.

Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 3. April 2020

Luzern folgt dem Beispiel Zürichs

Mit der Abriegelung von öffentlichen Zonen zieht die Stadt Luzern die Schraube deutlich an – und folgt damit dem Beispiel anderer Städte. So ist das Zürcher Seeufer schon seit zwei Wochen nicht mehr zugänglich. Auch am Vierwaldstättersee ist Luzern nicht der einzige Ort mit gesperrter Seepromenade: Am anderen Ende des Sees, in Brunnen, wird das gesamte Seeufer gesperrt – allerdings nur am Wochenende und an Ostern.