KOMMUNIKATION: Glasfasernetz: Nachfrage harzt

Schon 60 Prozent der Stadtluzerner Haushalte haben einen Glasfasernetzanschluss. Genutzt wird er aber nur vereinzelt.

Lena Berger
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EWL-Mitarbeiter Florian Beneke am Freitag beim sogenannten Spleissen (Zusammenfügen) von Glasfasern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

EWL-Mitarbeiter Florian Beneke am Freitag beim sogenannten Spleissen (Zusammenfügen) von Glasfasern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Kampf um die Luzerner Glasfasernetzkunden ist in vollem Gange: 25 000 Luzerner Haushalte sind bereits angeschlossen. Mitte Februar kommen weitere 2500 dazu. Es gibt derzeit fünf Provider, die über das Netz von Energie Wasser Luzern (EWL) Internet, Telefonie, Fernsehen oder Kombinationen davon anbieten. Das Kundeninteresse hält sich allerdings in Grenzen. Wie viele Kunden genau am Hochgeschwindigkeitsnetz sind, will niemand sagen.

Das Zürcher Unternehmen Cyberlink, das vor allem Firmen Internetlösungen anbietet, gibt immerhin an, es habe in Luzern erst «einige wenige» Kunden gewinnen können. Ähnlich geht es dem Provider iWay.ch, der Internet und Telefonie anbietet. Dieser hat in Luzern «rund hundert Kunden» – etwa einer pro Tag käme hinzu. Die Firma YplaY, der Luzerner Anbieter Pluz+ und die Swisscom sind zwar nach eigenen Angaben «sehr zufrieden» mit dem Kundenzulauf. Zahlen wollen jedoch auch sie nicht bekannt geben.

EWL verzichtet auf Werbung

Die Firma iWay.ch ist in Zürich, Bern, St. Gallen, Winterthur und seit Oktober 2012 auch in Luzern aktiv. «Im Vergleich zu Zürich läuft das Geschäft in Luzern eher harzig an», sagt Geschäftsführer Matthias Oswald. Einer der Gründe sieht er in der Marketingstrategie des Netzbetreibers: «Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich leistete von sich aus viel Aufklärungsarbeit – in Luzern überlässt die EWL das ganz den Providern.»

Viele Luzerner wüssten daher nicht, was sie mit der neuen Technologie anfangen sollen: «Sie bekommen einfach die Erschliessungsmitteilung von EWL.» Dass diese nicht selber Dienstleistungen anbietet und was genau die Vorteile des Glasfasernetzes sind, sei vielen Kunden deshalb nicht klar, sagt Oswald. Seine Firma setzt auf Flyer, die an die Haushalte verschickt werden, sobald ein Glasfaseranschluss verlegt wurde.

Auch bei der Firma Cyberlink, die seit Ende 2011 das Luzerner Glasfasernetz nutzt, bedauert man die EWL-Strategie. «Wir haben kein grosses Marketingbudget und wünschten uns daher mehr Unterstützung», sagt CEO Beat Tinner. Im Moment laufe das Geschäft in Luzern über Mundpropaganda. Die Firma YPlaY, die wie die Swisscom Internet, Telefonie und Fernsehen in Kombination anbietet, plant dieses Jahr eine grosse Marketingkampagne.

Bereits viel in den Luzerner Markt investiert hat das Luzerner IT-Unternehmen Pluz+, das primär Internet, aber auch Telefonie und TV anbietet. «Wir ziehen marketingtechnisch alle Register», sagt CEO Oliver Stahel. Das sei kostenintensiv. Trotzdem findet er es richtig, dass EWL sich zurückhält: «Nicht der Netzbetreiber macht die Angebote an die Kunden, sondern die Provider – deshalb sollten diese ihre Produkte auch selbst verkaufen.»

EWL plant keine Kampagne

Eine Werbekampagne plant EWL denn auch tatsächlich nicht. «Es ist Aufgabe der Service-Provider, über den Mehrwert und die Vorteile ihrer Dienste und Produkte zu informieren», sagt dazu EWL-Sprecherin Florine Schmidt.

Das Glasfasernetz verspricht, schneller und zuverlässiger zu sein (siehe Kasten). Dass es dennoch vereinzelt zu TV-Bildstörungen kommt, stösst bei manchen Kunden auf Unverständnis. Ein betroffener Pluz+-Kunde wandte sich an unsere Zeitung. Innerhalb eines Jahres habe man bei ihm drei Mal die Set-Top-Box auswechseln müssen. «Solche Fälle sind sehr selten – die Häufigkeit liegt im Promillebereich», sagt dazu Pluz+-Ceo Oliver Stahel. Der Fehler liege dabei nicht am Glasfasernetz – dieses sei sehr stabil –, sondern an der Hardware der Set-Top-Box. Durch Abwärme oder falsche Bedienung könnten diese beschädigt werden. Man plane daher auf den Sommer die Einführung neuer Geräte, die weniger Strom brauchten und weniger anfällig seien.

Glasfasernetz als Politikum

In der Stadt Bern ist die Frage, ob der Ausbau des Glasfasernetzes wirtschaftlich Sinn macht, inzwischen zum Politikum geworden. In einem Vorstoss verlangen Vertreter von EVP und GLP derzeit Auskünfte über die getroffenen Investitionen von Energie Wasser Bern (EWB). Sie vermuten, dass die Nachfrage unter den Erwartungen liegt und die Glasfasertechnologie kein rentables Geschäft werde – zumal das Kupfer­kabelnetz günstigere Angebote mache.

Gemäss Swisscom, die den Bau des Luzerner Glasfasernetzes mit 90 Millionen Franken zu 60 Prozent finanziert, ist die neue Technologie jedoch eine wichtige Investition in die Zukunft. «Derzeit verdoppelt sich alle 16 Monate das Datenvolumen auf dem Festnetz. Wir rechnen damit, dass künftige Anwendungen Bandbreiten brauchen, die nur noch das Glasfasernetz bieten kann», sagt Sprecherin Annina Merk.

Neue Technologie

GLASFASER. Mit der Glasfaser bis ins Wohnzimmer (englisch Fiber to the Home oder kurz FTTH) werden die bestehenden Kupfernetze von Swisscom und Cablecom abgelöst. Über Glasfasern können Signale für Internet, TV und Telefonie schneller übertragen werden. Dank einer sogenannten Punkt-zu-Punkt-Verbindung zum Provider erhalten die Kunden genau die Leistung, die sie bestellt haben – das ist ein Vorteil gegenüber dem Knotensystem der Kupfernetze. Zudem ermöglicht die Glasfasertechnologie eine symmetrische Bandbreite: Der Download läuft genauso schnell wie der Upload von Dateien.  Ausserdem ist das übertragene Signal unempfindlich gegenüber elektrischen und magnetischen Störfeldern.text