KOMÖDIE: Ein ganzes Jahr Weihnachten

Mit «Oh du Fröhliche?!!» zeigt das Theater Schwarzenberg, was Erben alles auf die Beine stellen, wenn es ums Testament geht. Da hat sogar der Samichlaus im August einen Auftritt.

Yvonne Imbach
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Gaukeln winterliche Temperaturen vor: Melanie (Eliane Fluder) und Felix (Christoph Fuchs). (Bild: Dominik Wunderli (Schwarzenberg, 13. Januar 2017))

Gaukeln winterliche Temperaturen vor: Melanie (Eliane Fluder) und Felix (Christoph Fuchs). (Bild: Dominik Wunderli (Schwarzenberg, 13. Januar 2017))

Yvonne Imbach

kanton@luzernerzeitung.ch

Während im realen Leben die Christbäume inzwischen entsorgt sind, kommt im Theater Schwarzenberg die Adventszeit nochmals richtig auf. Und wie! Aber der Reihe nach: Familie Achermann betreibt ein Weingut, das mehr durch die Säure des Weissweins als durch feine Tropfen im Gespräch ist. Auf dem Gut leben zwei Generationen: Karl, Anna und Tochter Melanie umsorgen das verwitwete Grosi in der Wohnung nebenan – nicht ohne Hintergedanken. Im Testament des verstorbenen Grossvaters steht nämlich, dass der Grossmutter fünf Jahre lang alle Wünsche erfüllt werden müssen, sonst gehe das ganze Erbe inklusive Weingut an eine soziale In­stitution. Und sollte die rüstige Elisabeth gar sterben in dieser Zeit, passiere das Gleiche.

Die Adventszeit macht Elisabeth zu schaffen. Sie ist überzeugt: «Ich spüre, es wird mein letztes Weihnachtsfest!» Ihre Familie gerät in Panik: Noch sind die fünf Jahre nicht um. Der Hausarzt bringt die rettende Idee: Wenn Weihnachten gar nicht erst käme und Elisabeth quasi in der Adventszeit festsitzt, wird sie auch nicht sterben wollen.

Stimmig, originell und spannend

Es ist höchst amüsant, wie die Achermanns samt Angestellten trotz stetig steigenden Temperaturen die Oma wacker nur im dicksten Winter-Tenü besuchen, ihr literweise Glühwein und dosenweise Zimtsterne vorbeibringen. Alle paar Tage muss ein neuer Christbaum vorbeigebracht und dekoriert werden, die Weihnachtsgans wird immer fetter geliefert, der Samichlaus schaut vorbei, und selbst das Radio- und Fernsehprogramm wird weihnächtlich getunt. Die Komödie «in vier Jahreszeiten» hält sehr viel Situationskomik und bissigen Witz bereit. Die Geschichte ist stimmig, originell und bietet trotz gewisser Absurdität eine steigende Spannung bis zum liebevollen Ende. Die acht Spielerinnen und Spieler agieren textsicher und wunderbar authentisch, der Spass am Spiel und an diesem Stück ist offensichtlich.

Regie führt das vierte Mal Helen Burri. In gut 45 Proben hat sie das Ensemble angeleitet. Dass zwei Spieler erstmals Bühnenluft schnuppern, ist nicht spürbar. Sie verrät: «Die Herausforderung an diesem Stück liegt im Bühnenbild. Die zwei Wohnungen liegen ja parallel nebeneinander. Die Spieler sehen einander, dies darf aber im Spiel nicht bemerkt werden. Die Illusion von zwei abgetrennten Bereichen muss stimmen.» Premiere ist morgen Abend. Bevor das Theaterspiel beginnt, stimmt der Chor Schwarzenberg mit einem gut einstündigen Liederprogramm unter dem Motto «Rond om d’Uhr» das Publikum einen rundum unterhaltsamen Abend ein.

Hinweis

Aufführungen: 21. Januar, 20 Uhr, Premiere. 25. und 28. Januar um 20 Uhr. 22. und 29. Januar um 14 Uhr. Mehrzweckhalle Schwarzenberg. Reservation: Telefon 041 497 20 51, Mo bis Fr, 10 bis 11 und 15 bis 19 Uhr.