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Nach dem Gutachten des Bundes wird der komplette Neubau des Luzerner Theaters unrealistisch

Neubau mit Erhalt der Nordfassade – bei der Debatte um die Theater-Erneuerung gibt’s eine neue Variante.
Hugo Bischof
Blick auf die Nordfassade des Luzerner Theaters. (Bild: Nadia Schärli, 1. Oktober 2019)

Blick auf die Nordfassade des Luzerner Theaters. (Bild: Nadia Schärli, 1. Oktober 2019)

Ein Abriss und Neubau des Luzerner Theaters sei «grundsätzlich abzulehnen», da dies «zu einer schweren Beeinträchtigung des Ortsbilds von nationaler Bedeutung führen würde». Das steht in einem Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege und der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission. Zu bevorzugen sei die Variante Umbau mit Erweiterung, bei der das heutige Theater erhalten bliebe (Ausgabe vom 2. Oktober).

Das bringt die Verantwortlichen in Luzern nun arg ins Schwitzen. Die Theaterleitung hat nämlich aus betrieblichen Gründen stets für einen Neubau plädiert. Auch Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli (SP) und Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos) wagten sich vor kurzem an einer Medienkonferenz, bei der es um die Neuverteilung der Kultursubventionen ging, aus dem Fenster und plädierten für einen Neubau (Ausgabe vom 12. September).

Schwerzmann: «Vielleicht eine Mischvariante»

Wie weiter nun? Die Kommissionen haben zwar nur eine beratende Funktion; ihre Stimme wird aber gehört und hat Einfluss. «Ein kompletter Neubau ist nach dem Gutachten des Bunds nun eher unrealistisch», sagt Schwerzmann auf Anfrage. Der kantonale Bildungs- und Kulturdirektor betont gleichzeitig: «Eingriffe innen und aussen schliesst das Gutachten explizit nicht aus. Es gilt deshalb nun auszuloten, was möglich ist und was nicht.»

Ortsbildprägend aus Sicht der Kommissionen ist insbesondere die gegen die Reuss gerichtete Nordfassade des heutigen Theatergebäudes; diese müsse zwingend erhalten bleiben, hält das Gutachten fest. Man müsse wohl «zwischen Innen und Aussen trennen», sagt dazu Schwerzmann: «Vielleicht gibt es eine Mischvariante: Es entsteht etwas betrieblich vollkommen Neues, gleichzeitig bleibt die Nordfassade erhalten.»

Züsli lässt rechtlichen Spielraum abklären

«Dass der Theaterplatz ein sensibler Ort ist, sind sich alle bewusst», sagt Regierungsrat Schwerzmann: «Wir müssen uns deshalb sehr genau überlegen, wie ein betrieblicher Neubau gestaltet werden kann, der gleichzeitig den städtebaulichen Anforderungen des Gutachtens genügt.» Wichtig sei: «Auch auf der Nordfassade muss künftig klar erkennbar sein, was sich dahinter verbirgt, nämlich ein topmoderner Theaterbetrieb nach den neusten Standards.»

Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli sagt auf Anfrage: «Wir klären den rechtlichen und planerischen Spielraum ab, den das Gutachten für die beiden Varianten Umbau/Erweiterung und Neubau zulässt.» Züsli bleibt aber dabei: «Aufgrund der bisherigen Abklärungen und den Ergebnissen der Testplanung gehen wir davon aus, dass ein Neubau gewichtige betriebliche Vorteile hat.»

In Auftrag gegeben worden war das Gutachten des Bundes von der Denkmalpflege des Kantons Luzern. Deren Präsidentin ist Cony Grünenfelder. Sie beurteilte einen Neubau von Beginn an skeptisch. «Im Moment werden weitere Abklärungen zu den Aussagen im Gutachten gemacht», sagt sie. Detaillierteres dazu könne sie noch nicht sagen. Als Nächstes soll die Problematik an einer Sitzung der kantonalen Denkmalkommission traktandiert werden. Diese hat sich dazu bisher noch nicht geäussert. Auch sie hat allerdings nur eine beratende Funktion. Über einen allfälligen Antrag der Kommission muss letztlich der Regierungsrat des Kantons Luzern entscheiden.

Interessant ist, was der Architekturhistoriker und frühere langjährige Denkmalpfleger der Stadt Luzern, Ueli Habegger, zum Thema Neubau sagt. Er, der vor über 20 Jahren massgeblich an der Projektierung des KKL beteiligt war, betont auf Anfrage: «Nur ein Neubau des Theaters macht städtebaulich Sinn.» Dies vor allem aufgrund der schwierigen Raumverhältnisse und der Nähe zur Jesuitenkirche. Wichtig sei: «Der Neubau muss von hoher Qualität sein.»

Theater soll an heutigem Standort bleiben

Diesbezüglich ist Habegger zuversichtlich: «Ich habe Vertrauen in das ästhetische Potenzial heutiger junger Architekten, auch aus unserer Region.» Die Befürchtungen der eidgenössischen Kommissionen teilt er nicht: «Ich bin sicher, dass hier ein hervorragender Neubau möglich ist, der ins Ortsbild passt und bei der Bevölkerung die gleiche Akzeptanz finden wird wie heute das KKL.» Stadt und Kanton Luzern sowie die Stiftung Luzerner Theater hätten entschieden, dass sich das neue Luzerner Theater am gleichen Standort wie das bisherige befinden solle: «Nun ist das Beste daraus zu machen.»

Entscheidend sei, dass die Stadt rechtzeitig klare Vorgaben für einen Architekturwettbewerb mache, betont Habegger: «Wie viele Sitzplätze soll das neue Theater haben? Wie hoch darf das Gebäude werden? Wie gross muss der Orchestergraben sein?» Auch die maximale Nähe zur Jesuitenkirche müsse definiert werden, «damit der Lichteinfall in die Kirche nicht zu stark beeinträchtigt wird». Zudem gelte es, das Betriebskonzept schon jetzt zu definieren: «Denn daraus ergibt sich das Volumen des Neubaus.»

Parallelen zu den Kapellbrücke-Bildern

Die Frage bleibt, welchen Einfluss das Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) auf die weitere Entscheidungsfindung hat. Es gibt interessante Parallelen zur Kontroverse um die 1993 beim Brand der Kapellbrücke zerstörten Giebelbilder. Der Stadtrat liess diese zunächst durch Kopien ersetzen. Das sei «grundsätzlich abzulehnen», beschied die EKD in zwei Gutachten. Nach längeren Verhandlungen schwenkte der Stadtrat auf den EKD-Kurs um. Heute hängen auf der Kapellbrücke nur die beim Brand geretteten Originalbilder. Die meisten Giebel sind leer – als Brand-Mahnmal.

Wasserschutz ist auch ein Thema

Die Stadt Luzern ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung aufgeführt. Deshalb hat die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege das Gutachten zum Theater gemeinsam mit der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission verfasst. Darin heisst es, dass ein mögliches Bauvorhaben einer gewässerschutzrechtlichen Ausnahmebewilligung bedarf. Der Grund: Der Testperimeter für allfällige Neubauten liegt im «Gewässerschutzgebiet Au». Dabei handelt es sich um die nutzbaren unterirdischen Gewässer sowie um die zu ihrem Schutze notwendigen Randgebiete. Ein Gewässer ist gemäss Bundesgesetz nutzbar, wenn das Wasser in einer Menge vorhanden ist, die eine Nutzung in Betracht kommen lässt.

Eine weitere Hürde 
für die Planer in Luzern

Das dürfte beim Theaterplatz Luzern der Fall sein. Gut möglich, dass hier also eine weitere Hürde auf die verantwortlichen Planer der neuen Theater-Infrastruktur in Luzern wartet. Wichtig zu wissen ist dabei: Der Denkmalschutz und die ausführende Denkmalpflege sind in der Schweiz primär kantonale Aufgaben. Ein Abriss des Luzerner Theaters müsste also letztlich vom Regierungsrat des Kantons Luzern bewilligt werden. Das entsprechende Baugesuch müsste die Stadt Luzern als Eigentümerin einreichen. Das Luzerner Theater figuriert wegen der zahlreichen und tief greifenden Eingriffe im Lauf der Zeit nicht als Schutzobjekt im kantonalen Bauinventar – «entgegen den Empfehlungen des Bundes», heisst es im Gutachten. (hb)

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