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KONFETTI: Von der Zuckermandel zum Fötzeliregen

Fasnacht ohne Konfetti ist wie Weihnachten ohne Lametta. Es wäre einfach nicht das Gleiche. Wer als Erster auf die Idee kam, sich gegenseitig mit Papierschnipseln zu bewerfen, ist seit über 100 Jahren umstritten.
Ismail Osman
Genau so muss das aussehen: Bruder Fritschi im Fötzeliregen an der letztjährigen Fasnacht. (Bilder: Pius Amrein/Nadia Schärli)

Genau so muss das aussehen: Bruder Fritschi im Fötzeliregen an der letztjährigen Fasnacht. (Bilder: Pius Amrein/Nadia Schärli)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Die Luzerner Fasnacht beginnt am nächsten Donnerstag um Punkt 5 Uhr morgens mit dem Urknall. Daran gibt es nichts zu rütteln. Tatsache ist aber, dass die Fasnacht nicht wirklich begonnen hat, bevor es auf dem Kapellplatz donnert und Fötzeli regnet.

Als überdimensionale Schneeflocken rieseln die Papierquadrate auf die jubelnde Masse herunter, symbolisch für den Bruch mit dem Alltag und dem Übergang in die kurze, aber ausschweifende fünfte Jahreszeit.

Was (und wer) steckt hinter den Fötzeli, dieser für Luzern ganz eigenen Art von Konfetti? Zunächst muss man feststellen, dass der Fötzeliregen eine noch sehr junge Tradition ist. Heuer wird er zum 30. Mal gezündet. Der erste Föt­zeliregen von 1988 fand noch auf dem Kornmarkt statt. Der wortwörtliche Drahtzieher hinter der effektreichen Pyro-Aktion war Ruedi Schlotterbeck. Der bekannte Malermeister ist Mitglied der Zunft zu Safran und hat ein Händchen für Pyrotechnik. Er tüftelte die Technik hinter dem Fötzeliregen aus.

6,5 Millionen Telefonbuchschnipsel

Und so funktioniert der Zauber: 30 handelsübliche Abfallsäcke werden zu je 7 Kilo mit 4 mal 4 Zentimeter grossen, aus Telefonbüchern gestanzten Quadraten gefüllt. Das sind insgesamt rund 6,5 Millionen einzelne Fötzeli. Diese werden zuvor noch mit Talgpulver behandelt (damit sie nicht aneinander kleben und verklumpen). In der Mitte dieser «Füllung» wird ein Zünder mit wenig Blitzknallsatz, einem pyrotechnischen Pulver, platziert. Die gefüllten Säcke werden danach luftdicht verschlossen. Besonders wichtig: Die Säcke müssen gestaffelt gezündet werden, da­- mit der Effekt eines kontinuierlichen Schneefalls gewährleistet ist.

Sein Wissen gab Ruedi Schlotterbeck mittlerweile an eine ausgewählte Gruppe von Zunftbrüdern weiter. Allen voran an Markus Ehrenberg. Er wird auch dieses Jahr die Zündung des Föt­zeliregens koordinieren und verantworten. «Den besten Effekt erzielt man, wenn es trocken und leicht windig ist. Durch die versammelte Menschenmenge auf dem Kapellplatz entsteht eine schwache Thermik, und so fallen und steigen die Fötzeli besonders schön», weiss Markus Ehrenberg.

Zwei Fragen brennen auf der Zunge: Wieso gerade Papier aus Telefonbüchern? Und wo kriegt man die heute bitte schön noch her? «Das dünne und leicht beschichtete Telefonbuchpapier hat sich über die Jahre bewährt», sagt Markus Ehrenberg. Und er fügt mit einem Schmunzeln hinzu: «Die Telefonbücher sind eine freundliche Gabe der Swisscom-Tochter Local. Ich habe gerade fünf Holzpalette davon erhalten, der Fötzeliregen ist also für die nächsten fünf Jahre sichergestellt.»

Deutsche oder italienische Erfindung?

Und dann stellt sich natürlich noch des Schweizers liebste Frage: Wer hat’s erfunden? Wer die Idee dazu hatte, sich mit Papierschnipseln zu bewerfen, ist nicht endgültig geklärt. Historisch ist belegt, dass man sich beim altvenezianischen Karneval des 18. Jahrhunderts mit Konfekt oder etwa mit Zuckermandeln bewarf. Daher rührt auch der Name der Konfetti. Die Erfindung des modernen Konfetti geht hingegen auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Sie wird wahlweise dem Italiener Enrico Mangili oder dem deutschen Buchbindermeister Paul Demuth zugeschrieben. Der Mailänder Mangili besass eine Textildruckerei und soll 1875 auf die Idee gekommen sein, ausgestanzte Stoff- und Papierreste (Abfallprodukte der Seidenraupenzucht) als Konfetti zu verkaufen. Paul Demuth will hingegen während einer Italienreise 1887 selbst auf die Idee der Papierkonfetti gekommen sein – ob er sich von Mangilis Konfetti inspirieren liess, ist nicht überliefert. Im Gegensatz zum Konfetti liess Demuth 1929 jedenfalls einen anderen Festartikel patentieren: die Luftschlange.

Die «Urkonfetti»: Im alten Venedig bewarf man sich während der Karnevalszeit mit Konfekt wie Zuckermandeln. (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Die «Urkonfetti»: Im alten Venedig bewarf man sich während der Karnevalszeit mit Konfekt wie Zuckermandeln. (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Die «Klassischen»: Wer die typischen Papierkonfetti erfunden hat, bleibt bis heute ungeklärt. (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Die «Klassischen»: Wer die typischen Papierkonfetti erfunden hat, bleibt bis heute ungeklärt. (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Die «Lokalen»: Die Fötzeli, die aus gestanzten Telefonbuchseiten bestehen, gibt es seit 30 Jahren. (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

Die «Lokalen»: Die Fötzeli, die aus gestanzten Telefonbuchseiten bestehen, gibt es seit 30 Jahren. (Bild: Nadia Schärli (Luzerner Zeitung))

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