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KONZERT: Marie-Theres von Gunten: Noch einmal von der Heimat jodeln

Nach 40 Jahren ist Schluss: Marie-Theres von Gunten leitet zum letzten Mal das Jodlerchörli Geuensee. «Ich gehe mit Wehmut», sagt die bekannte Volksmusikerin, «aber mit gutem Gewissen.»
Monika Van De Giessen
Von links: Marie-Theres von Gunten und ihre Nachfolgerin Yvonne Fend stimmen sich auf die Konzerte ein. (Bild: Dominik Wunderli (14. November 2017))

Von links: Marie-Theres von Gunten und ihre Nachfolgerin Yvonne Fend stimmen sich auf die Konzerte ein. (Bild: Dominik Wunderli (14. November 2017))

Monika van de Giessen

kanton@luzernerzeitung.ch

Sie ist Komponistin, Jodlerin, Dirigentin, Jury- und Ehrenmitglied des Eidgenössischen Jodlerverbandes. Sie ist aber auch Gesangslehrerin, Jodelkursleiterin und Trägerin des Goldenen Violinschlüssels, der bedeutendsten Auszeichnung im Bereich der Schweizer Folklore: Die Rede ist von der Luzernerin Marie-Theres von Gunten-Walthert (66), seit 1996 wohnhaft in Beatenberg hoch über dem Thunersee.

«Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe», dieser Spruch des indischen Philosophen und Dichters Rabindranath Tagore steht auf ihrer Website und ist zugleich ihr Lebensmotto. «Mein Leben ist von Gesang geprägt», sagt die Jodlerin. Aufgewachsen als jüngstes von zehn Kindern in einer Bauernfamilie im luzernischen Baldegg, lernte sie das Jodeln schon sehr früh. Sie erinnert sich, dass am Sonntag jeweils im ­Elternhaus eine regelrechte Stubete stattfand.

«Nachfolge ist gut aufgegleist»

Der Name Marie-Theres von Gunten ist eng verknüpft mit dem Jodlerchörli Geuensee, das sie während 40 Jahren leitete. Doch jetzt ist Schluss. Grossen Respekt zollt Thomas Frank, Präsident des Jodlerchörlis Geuensee seiner Dirigentin. «Sie war ein Glücksfall für uns.» Wie wahr: Der Erfolg des Jodlerchörlis Geuensee trägt ganz klar die Handschrift ihrer musikalischen Leiterin. Unter ihrer Leitung ­erreichten die Jodlerinnen und Jodler an den Jodlerfesten immer – also 40-mal! – die Bestnote. Ihre Kompositionen sind an Eidgenössischen Jodlerfesten und an einigen Unterverbandsfesten die meist gesungenen.

Mit den drei Jahreskonzerten, die unter dem Motto ihres gleichnamigen Jodelliedes «Mir säge Dank!» stehen, wird sie letztmals als Dirigentin den Ton angeben. «Ein bisschen Wehmut ist schon dabei», sagt die Jodlerin beim Interview. Gleichzeitig betont sie, dass sie den Klub mit ruhigem Gewissen verlassen könne, denn mit Yvonne Fend als neuer Dirigentin sei ihre Nachfolge gut aufgegleist. So blickt Marie-Theres von Gunten auf 40 schöne Jahre zurück. Am meisten vermissen werde sie indes die vielen Leute, die ihr in all den Jahren ans Herz gewachsen sind sowie die gute Kameradschaft, den umsichtigen Vorstand und gute Präsidenten. «Doch, so langsam hänkt’s a», erklärt die Jodlerin. Man muss wissen, dass sie jeden Dienstag von Beatenberg BE zur Probe nach Geuensee reist. Rund 50 Zusammenkünfte – Proben und Konzerte miteingerechnet– kommen so in einem Jahr zusammen. Man rechne: Das ergibt in 40 aktiven Jahren in Geuensee eine eindrückliche Zahl von 2000 Terminen und Treffen mit dem Jodelchörli.

Die Luzernerin hat rund 80 Jodellieder komponiert, darunter auch eine Jodlermesse mit dem Titel «B’hüet euch!». Diese wurde in der Hofkirche Luzern im Jahr 2011 uraufgeführt. Ihre Lieder sind teilweise aus Lebenssituationen entstanden – aus Hochs und Tiefs. Sie sind lebensnah und werden wohl genau deswegen gerne gesungen. Beispielsweise das Lied «Gloub dra» hätte ihr den Psychiater gespart. «Gar dunkli Schatte drücke di. Du frogsch, wo isch ächt d Sunne hi?» Selber bezeichnet sich Marie-Theres von Gunten als Traditionalistin. Man hört oft, dass Jodler die heile Welt besingen. Die Jodlerin hat dazu eine klare Meinung: «Was soll denn daran so schlecht sein, wenn wir unsere Heimat schätzen und besingen?»

Der Stimme Sorge tragen

Ihre Kompositionen gelten als anspruchsvoll. Es gibt Klubs, die winken bei «Von-Gunten-Liedern» ab. Andere suchen die ­Herausforderung und singen Lieder, die technisch einige Anforderungen an den Interpreten stellen und einen guten Stimmumfang voraussetzen. Soll nun jeder Jodler, jede Jodlerin sich gesanglich ausbilden lassen? «Es wäre sicher nicht falsch. Man muss der Stimme Sorge tragen, um sie möglichst lange zu erhalten», betont die Fachfrau. Neben der Musik sind die Natur, das Fotografieren und das Motorradfahren mit einer Virago 1100 weitere Hobbys von Marie-Theres von Gunten. Über ihre Zukunft mache sie sich nicht so viel Gedanken: «Es ist gut so, wie es jetzt ist.»

Hinweis

Konzerte: 24./29. November; 2. De­zember, Gemeindesaal Geuensee, jeweils 20 Uhr. Platzreservation: 041 910 33 52 (Mo bis Fr jeweils bis 19 Uhr, Aufführungstage bis 12 Uhr) oder reservation@jodlerchoerli-geuensee.ch

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