KONZERT: Polo Hofer rockte den «Stadtkeller» – zum letzten Mal

Nun ist Schluss: Polo Hofer hört mit Touren auf. Dafür ist er in Luzern bald ganz anders zu sehen.

Interview Hugo Bischof
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Polo Hofer (69) am Samstagabend im «Stadtkeller» in Luzern. (Bild Nadia Schärli.)

Polo Hofer (69) am Samstagabend im «Stadtkeller» in Luzern. (Bild Nadia Schärli.)

Girlies und angegraute Rockerbräute, die sich vor der Bühne in Ekstase tanzen. Gestandene Männer und Frauen, die im Saal drinnen toben und klatschen, als gäbe es kein Morgen. Das ist unverkennbar: Polo Hofer im «Stadtkeller». Der 69-jährige Berner Ur-Mundartrocker und singende Geschichtenerzähler gab hier am Wochenende zwei total ausverkaufte Konzerte. Wir waren am Samstag dabei – und sprachen kurz davor mit Polo. Dabei bestätigte er, was viele bereits ahnten: Die beiden Konzerte im «Stadtkeller» waren seine letzten.

 

Polo Hofer, Sie haben angekündigt, dass Sie nach der laufenden Konzertsaison definitiv in Pension gehen werden. Wie ernst ist Ihnen damit?

Polo Hofer: Sehr ernst. Ich toure mit meiner jetzigen Band noch bis Ende April, dann ist Schluss.

Wo findet das allerletzte Konzert statt?

Hofer: Das hängt von der Gage ab.

Hand aufs Herz: Sie kündigten Ihren Rücktritt schon mehrfach an.

Hofer: Ich wechselte nur ab und zu die Band. Nach der jetzigen Tour wird es aber sicher keine Konzerte mit einer festen Band und keine Tournee mehr geben.

Warum? Ist es Ihnen verleidet, zum zehntausendsten Mal Ihre alten Hits zum Besten geben zu müssen?

Hofer: Nein, nein, es ist doch erst zum dreitausendfünfhundertsten Mal ...

Weshalb hören Sie dann auf?

Hofer: Die Kräfte lassen nach. Ich habe nicht mehr die gleiche Energie wie früher. Ich habe auch die Verantwortung für eine Reihe von Leuten – meine Band und so weiter. Die gebe ich jetzt ab.

Wenn unsere Zählung stimmt, sind das jetzt Ihre Auftritte Nummer 171 und 172 im «Stadtkeller». Ein Rekord?

Hofer: Da muss ich Sie korrigieren. Es sind die Nummern 177 und 178.

Haben Sie irgendwo sonst ebenfalls so viele Konzerte gegeben?

Hofer: Nein. Das ist Rekord.

Was ist speziell am «Stadtkeller»? Was zog Sie immer wieder hierher?

Hofer: Die Nähe zum Publikum, die Club-Atmosphäre, das Gemeinschaftsgefühl. Und die ausserordentlich nette Betreuung.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Konzert im «Stadtkeller» in Luzern?

Hofer: Ja, sicher. Es war 1980 während der Fasnacht. Ständig stolperten irgendwelche Guugger in den «Stadtkeller».

Werden Sie die spezielle Stimmung im «Stadtkeller» nicht vermissen?

Hofer: Die werde ich sicher vermissen.

Was bedeutet Ihnen Luzern?

Hofer: Würde ich nicht im wunderschönen Oberhofen am Thunersee leben, wäre Luzern sicher die beste Alternative.

Sie wurden in den 60er- und 70er- Jahren als Revoluzzer und Vorkämpfer für Hanf-Freiheit bekannt. Ist die Gesellschaft heute liberaler geworden?

Hofer: Dafür gibts immer noch Strafen.

Sie würden künftig vermehrt auf Ihren erlernten Beruf als Handlithograf zurückgreifen, sagten Sie der «Berner Zeitung». Wie ernst ist Ihnen damit?

Hofer: Ich war da immer etwas dran. Es ist eine andere Art Kreativität, ein anderer Antrieb. Ich kann es noch immer.

Gibts da demnächst vielleicht mal eine Ausstellung.

Hofer: Ja. Nächsten Sommer. Und zwar ganz in Ihrer Nähe, an einem exotischen Ort. Mehr verrate ich nicht.

Was werden Sie in Ihrem sogenannten Ruhestand sonst noch so tun?

Hofer: Wie soll ich das wissen! Ich bin ja noch mitten in meiner Tournee. Ich bin zurzeit daran, meine nächste CD «Ändspurt» aufzunehmen. Acht Lieder habe ich schon. Mitte Februar wird die CD erscheinen.

Wird es nicht doch irgendwann ein Comeback im Luzerner «Stadtkeller» geben?

Hofer: Mit einer eigenen Band sicher nicht. Aber wenn mich jemand einlädt, als Gastsänger zwei, drei muntere Lieder zu singen – warum nicht?

Es gibt also doch noch Hoffnung für Luzern?

Hofer: Also, ich muss schon sagen: Die Luzerner gehören zu meinen treusten Fans. Kürzlich trat ich in Solothurn auf – da habe in den vordersten Reihen nur Luzerner Gesichter gesehen.