KONZERT: «So wie in Luzern fühlt es sich nirgends auf der Welt an»

Urs Bühler (41) aus Willisau gehört zur bekannten Gruppe Il Divo, die bald in Luzern auftritt. Uns verrät er, wie er auf dem Boden bleibt.

Interview Susanne Balli
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Der Luzerner Startenor Urs Bühler gastiert mit seiner Gruppe Il Divo am Samstag in der Swiss Life Arena. (Bild: pd)

Der Luzerner Startenor Urs Bühler gastiert mit seiner Gruppe Il Divo am Samstag in der Swiss Life Arena. (Bild: pd)

Via seine Managerin in London wird Urs Bühler telefonisch direkt aus dem weissrussischen Minsk fürs Interview nach Luzern durchgestellt. Wir haben maximal 15 Minuten Zeit fürs Gespräch. Das Thema soll nur die Tour «The Greatest Hits» von Il Divo sein, wie die Managerin betont. Urs Bühler stellt sich am Telefon als sympathischer und spontaner Gesprächsteilnehmer heraus.

Urs Bühler, Sie haben morgen mit Il Divo quasi ein Heimspiel in Luzern. Was bedeutet das für Sie?

Urs Bühler: Das freut mich natürlich riesig. Wir sind bisher noch nie in Luzern aufgetreten, sondern jeweils in Zürich oder Genf. Umso mehr freue ich mich auf Luzern.

Haben Sie hier noch viele Freunde und Familie? Und überhaupt Zeit, diese zu treffen?

Bühler: Ja, diesmal liegt es sogar drin. Wir landen einen Tag zuvor in Zürich. So habe ich Zeit, nach Willisau zu meiner Familie zu fahren. Die letzten eineinhalb Jahre war ich mit Il Divo konstant auf Tour und hatte praktisch nie Zeit für meine Familie.

Der Organisator des Il-Divo-Konzerts, Taifun-Music, hat am 24. Mai in einem Communiqué geschrieben, dass Il Divo nicht wie geplant in der Swissporarena sondern in der kleineren Swiss Life Arena stattfindet. Dies mit der Begründung: «Die aktuellen Vorverkaufszahlen haben den Veranstalter veranlasst, kurzfristig nach einer geeigneten Ersatzlösung zu suchen.»

Gibts hier in Luzern nicht genügend Fans, um die Swissporarena zu füllen?

Bühler: Nein, das ist so nicht korrekt. Wir haben festgestellt, dass grosse Konzerte mit 10 000 bis 20 000 Leuten sich nicht unbedingt gut für ein intimes Konzerterlebnis eignen. Bei uns steht die Stimme und Musik im Zentrum. Die Leute schätzen eine gewisse Nähe zur Bühne und wir erhalten im kleineren Rahmen viel mehr positives Feedback.

Welches war bisher Ihr grösstes Konzert?

Bühler: In Paraguay haben wir vor 38 000 Leuten gesungen. Aber wir treten auch im ganz kleinen Rahmen auf. So gerade am letzten Montag vor 150 Leuten im St. James Palace in London, als wir für die Stiftung für Blinde und für die Queen Elizabeth auftraten. Die Queen war in der vordersten Reihe, und es waren diverse geladene Gäste anwesend, wie zum Beispiel Rod Stewart.

Il Divo hat bisher über 25 Millionen Alben verkauft. Wie bleiben Sie da auf dem Boden?

Bühler: Manchmal braucht man schon einen Reality-Check, denn die Welt, in der ich mich seit zehn Jahren bewege, ist nicht die wahre Welt und nicht das normale Leben. Aber wir sind ja keine Kinder mehr und können damit ganz gut umgehen. Ich bleibe immer in Kontakt mit dem ganz normalen Leben und meiner Familie.

Sie wohnen seit geraumer Zeit mit Ihrer Frau und Ihrer Tochter in London. Mehr geben Sie von Ihrem Privatleben nicht preis. Ist es schwierig, diese private Insel für sich zu behalten?

Bühler: Es ist eine Gratwanderung. Ich bin zwar eine Person in der Öffentlichkeit, aber mein Privatleben geht niemanden etwas an. Ich kann nicht verstehen, dass so viele Leute ihr Privatleben im Internet ausbreiten und jeden Schritt, den sie machen, ins Facebook stellen. Ich selber habe keine solchen Bedürfnisse und bin darum auch nicht persönlich auf Internetplattformen anzutreffen.

Woraus Sie kein Geheimnis machen, ist Ihre Leidenschaft für Harley-Davidsons. Sie besitzen zwölf solche Maschinen. Was reizt Sie daran?

Bühler: Auf einer Harley fahren ist für mich Freiheit pur. So komme ich aus allem raus und kann den Kopf durchlüften.

Kommen Sie denn dazu, Ihre Harleys regelmässig zu bewegen?

Bühler: Nein, dafür bleibt kaum Zeit. Aber in Kanada und Amerika miete ich manchmal eine Harley. Ich bin damit schon in Montreal, Vancouver, Chicago, Las Vegas oder L.A. unterwegs gewesen.

Die Schweiz bietet ja auch schöne Töffrouten über diverse Pässe an. Können Sie sich vorstellen, irgendwann in der Zukunft wieder in der Schweiz oder sogar im Kanton Luzern zu wohnen?

Bühler: Derzeit habe ich keine Pläne, wieder in die Schweiz zu kommen. Aber irgendwann könnte ich mir das schon vorstellen. Meine Heimat und meine Wurzeln werden immer in Willisau sein. So wie hier fühlt es sich nirgends auf der Welt an. Und die Schweiz ist ein wunderschönes, komfortables Land. Manchmal aber auch etwas erstickend.