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KONZERT-TOUR: Luc Oggier alias Leduc: «Was gratis ist, kann man dir nicht übelnehmen»

Derzeit sind die Mundartmusiker Lo & Leduc mit ihrem neusten Album auf Tour. Luc Oggier alias Leduc erklärt, warum man dieses gratis herunterladen darf und wie ihre Musik die Welt verändern kann.
Raphael Zemp
Sorgfalt in der Sprache ist ihm wichtig: Luc Oggier alias Leduc. (Bild: Pius Amrein (Bern, 17. Juni 2015))

Sorgfalt in der Sprache ist ihm wichtig: Luc Oggier alias Leduc. (Bild: Pius Amrein (Bern, 17. Juni 2015))

Sie zählen zu den erfolgreichsten Schweizer Musikern der letzten Jahre: Lorenz Häberli (31) und Luc Oggier (29), bekannt als Lo & Leduc. Entsprechend gedrängt ist ihr Zeitplan. Trotzdem hat Luc Oggier (Leduc) spontan Zeit gefunden für ein kurzes Treffen im KKL-World-Café in Luzern. Im Verlauf einer Stunde erklärt der Berner gestenreich seine Musik, zupft dabei eine Serviette löchrig, schlürft seine Apfelschorle leer und lässt seinen Blick unruhig umherschweifen, nur um immer wieder auf mein Frageblatt zu schielen.

Leduc, wir haben gleichzeitig in Bern Geschichte studiert. Heute füllst du zusammen mit Lo Club um Club, versetzt an Festivals Tausende in Ekstase. Dasselbe kann man von meinen Texten wohl nicht behaupten. Was habe ich falsch gemacht?

Gar nichts! Dass wir uns nun an diesem Tisch unterhalten, zeigt: Wir haben beide etwas richtig gemacht. Aber die Musik lebt von anderen Ritualen als etwa das Zeitunglesen. An Konzerten gehört das Klatschen und Begeisterungzeigen dazu. Die Beine zu überschlagen und laut Seiten umzublättern, hingegen weniger.

Nebst Geschichte hast du noch Germanistik studiert. Wie stark begleiten dich deine Studienjahre noch in deinem Schaffen als Musiker?

Ich zehre täglich davon. Vor allem von der antrainierten Sorgfalt in der Sprache und dem kritischen Beobachten. Auch wenn ich persönlich nie in der Rolle des Studenten aufgegangen bin: Das sind Qualitäten, die man in sehr vielen Bereichen gut gebrauchen kann. Deshalb finde ich das Bashing gewisser Parteien gegen Geisteswissenschaften sehr gefährlich.

Kritik an der Gesellschaft äussert ihr auch in euren Liedtexten. Meist aber ist diese subtil eingewoben. Kommt eure Botschaft so überhaupt an?

Es ist immer eine Gratwanderung: Wie explizit kann man werden, ohne wie ein nachgeäfftes Parteibuch daherzukommen? Und wie subtil, ohne dass dabei die Botschaft verloren geht? Ich habe ein Grundvertrauen, dass die Leute wissen, wie wir ticken. Und punktuell ist es wichtig, klar Stellung zu beziehen. Aber wer sich zu allem immer äussert, verliert an Glaubwürdigkeit.

Aber du glaubst, dass eure Musik die Gesellschaft verändern kann?

Das Hirnen über Texte, die nicht plump und eindimensional daherkommen, macht kritisch. Insofern glaube ich schon, dass wir auch mit unserer Musik etwas bewegen können.

Trotz vielschichtiger Texte: Für viele seid ihr vor allem die zwei sympathischen Berner, die den Hit mit dem «rote Chleid» gelandet haben. Beleidigt dich das?

Nein. Da darf man keine falschen Erwartungen haben, denn wir alle leben in unserer eigenen Bubble. Und auch wenn ich das Lied inzwischen nicht immer hören mag – ihm haben wir so viel zu verdanken, dass man das gerne in Kauf nimmt.

Unlängst habt ihr euer sechstes Album «Update 4.0» präsentiert. Vor euren zwei letzten, kommerziell sehr erfolgreichen Alben sind bereits Update 1.0 bis 3.0 erschienen. Befindet ihr euch in einer Phase der Rück­besinnung?

Die letzten zwei Alben waren sehr aufwendig, auch wegen der vielen Live-Aufnahmen. Danach hatten wir das Gefühl, so, jetzt ist die Zeit reif, einfach mal wieder etwas gratis rauszubringen, wie schon Update 1.0 bis 3.0. So konnten wir unbeschwert an die Sache gehen, rumexperimentieren. Denn niemand kann es dir übelnehmen. Ich finde, das hört man dem Album auch an, im positiven Sinn.

Weniger Mainstream und wieder mehr Rap?

Das mag von der Wahrnehmung her stimmen. Ich aber empfinde unser neustes Album nicht als Bruch. Denn auch schon auf unseren ersten Alben gab es Tracks, die man im Radio hätte spielen können. Popelemente und eingängige Melodien gab es immer schon nebst Rap-Einflüssen. Nur kannte uns damals noch kein Schwein. (lacht)

Du hast es gesagt: Euer Album kann man gratis runterladen. Schürt ihr damit nicht eine gefährliche Erwartungshaltung?

Diese Kritik ist legitim. Ich glaube tatsächlich, dass sich in der Musikbranche vieles Richtung gratis entwickelt. Diesen Prozess können wir nicht aufhalten. Aber wir wollen auch nicht den Eindruck vermitteln: Musik hat gratis zu sein. Deshalb wird es Lo & Leduc auch in Zukunft nicht generell zum Nulltarif geben. Manchmal aber passt es. Zudem wissen unsere Fans dieses Geschenk auch zu schätzen: Bis auf St. Gallen sind alle 12 Tour-Konzerte bereits ausverkauft.

Wie geht es nun weiter?

Derzeit sind wir auf Club-Tour und treten in deren Rahmen am 16. März auch in der Luzerner Schüür auf. Wie in Anfangszeiten stehen wir dabei nur zu dritt auf der Bühne: Lo, Dr. Mo, der Produzent von Update 4.0 und ich. Danach studieren wir die Songs mit unserer Liveband ein. Was danach kommt? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist uns die Freude noch lange nicht verloren gegangen.

Interview: Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

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