KOPFTUCHVERBOT: Pierre Vogel will sich für Al-Shawk einsetzen

5000 Muslime sollen auf die Strasse, um gegen das gegen die Ebikonerin Sura Al-Shawk verhängte Kopftuchverbot beim Baketballspiel zu demonstrieren. Das fordert ein radikaler Prediger.

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Pierre Vogel im vergangenen Dezember bei einem Referat in Kriens. (Bild YouTube)

Pierre Vogel im vergangenen Dezember bei einem Referat in Kriens. (Bild YouTube)

«Das ist eine klare Diskriminierung. Sura Al-Shawk ist einer der Gründe, warum ich in die Schweiz kommen wollte», sagte Pierre Vogel gegenüber der Zeitung «Sonntag». «Ich wollte das an der Kundgebung in Bern ansprechen». Denn das Kopftuch gehöre für eine Muslimin zur «religiösen Pflicht». Mit dem Auftritt des als «Hassprediger» bekannt gewordenen Vogels in Bern im vergangenen Dezember wurde wegen einer verhängten Einreisesperre jedoch nichts – auch vom Zürcher Volkshaus erhielt der zum Islam konvertierte Deutsche unlängst eine Abfuhr. Andernorts in der Schweiz ist es jedoch zu Auftritten gekommen, so geschehen etwa in der Turnhalle des Amlehn-Schulhauses in Kriens.

«Weitgehend extreme Ansichten»
Nun macht Vogel von Deutschland aus mobil: «Da müssen 5000 Muslime auf die Strasse und sich eine Stimme verschaffen.» Er wäre «sofort» bereit, eine Kundgebung zu organisieren. Nur: Das will die 19-jährige Sura Al-Shawk gar nicht. Schon zu einem früheren Zeitpunkt liess sie über die Site «Sura spielt mit» verlauten, dass sie sich «ausdrücklich von den weitgehend extremen Ansichten Pierre Vogels» distanziere. Auf der dazugehörigen Facebook-Site gibt sie an, schon einmal an einer Veranstaltung Vogels gewesen zu sein. Dabei sei ihr «sehr schnell» klar geworden, «dass ich und Pierre Vogel sehr unterschiedliche Ansichten vom Islam haben». Daher wolle sie sich auch nicht von ihm vertreten lassen.

Reinhard Schulze, Direktor des Instituts für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie an der Universität Bern, warnte unlängst vor einer Überschätzung Pierre Vogels: «Gefährlich ist er allenfalls, wie ein evangelikaler Prediger aus Amerika gefährlich ist. In diesem Sinne geht Gefahr von ihm aus, weil der Eindruck entsteht, dass eine Art von Sektenkultur aufgebaut wird», sagte der Experte gegenüber «NZZ online».

Support der Islamischen Organisation
Al Shawk darf bei offiziellen Basketballspielen bis auf Weiteres kein Kopftuch tragen, wie das Amtsgericht Luzern-Land diese Woche entschied. «Wir ziehen dieses Urteil nicht weiter, sondern konzentrieren uns auf die Hauptverhandlung», sagte der grüne Zürcher Nationalrat Daniel Vischer, Anwalt von Sura Al-Shawk, gegenüber «Sonntag». «Jetzt wird ein verbandsinternes Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet», so Vischer, «je nach Ausgang behalten wir uns vor, das Urteil an ein staatliches Gericht weiter zu ziehen.» Rückendeckung erhält die Basketballspielerin dabei von Farhad Afshar, Präsident der Islamischen Organisation Schweiz: «Wir stehen mit voller Sympathie hinter Sura Al-Shawk.» Der Entscheid des Luzerner Gerichts sei «Rassissmus». Er begrüsse es daher, wenn Al-Shawk alle rechtlichen Schritte ausschöpfen wolle.

scd