Kommentar

Urnenlokale sollen im Kanton Luzern freiwillig werden

Nur noch ganz wenige Luzernerinnen und Luzerner wählen und stimmen persönlich in einem Urnenlokal. Höchste Zeit, dieses Angebot freiwillig zu machen.

Lukas Nussbaumer
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Lukas Nussbaumer.

Lukas Nussbaumer.

Die Schweizer können seit 1994 brieflich wählen und stimmen. Und sie tun dies ausgesprochen fleissig. Bereits zehn Jahre nach der Einführung betrug der Anteil der brieflich abgegebenen Stimmen mehr als 80 Prozent. Laut einer damaligen Erhebung der Bundeskanzlei lag der Anteil der Briefstimmen im Kanton Luzern 2005 bei 97,3 Prozent – so hoch wie in keinem anderen Schweizer Kanton.

Wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt, sind die persönlich abgegebenen Voten in den Gemeinden inzwischen noch kleiner. Hochgerechnet auf die 82 Luzerner Kommunen, dürften alle Urnenlokale im Kanton von maximal 500 Stimmbürgern besucht werden. Das sind rund 0,2 Prozent aller Stimmberechtigten.

Nun fordern Gemeindeverwaltungen die Abschaffung der Urnenlokale. Völlig zu Recht. Die Leute ändern nicht nur ihr Einkaufsverhalten, sondern auch ihre Art, abzustimmen. Luzerner Politiker wollen jedoch am Relikt aus vergangenen Zeiten festhalten. Angeführt wird etwa, es könne auch einmal zu einem Ausfall bei der Post kommen, oder es brauche eine Bundeslösung. Beide Argumente stechen nicht. So wirft der weitaus grösste Teil der Bürger sein Couvert in den Gemeindebriefkasten, braucht die Post also nicht. Und warum der Bund federführend sein soll, ist schleierhaft. Zu den Gemeindewahlen beispielsweise hat «Bern» nichts zu sagen. Es gibt deshalb keinen Grund, Urnenlokale vorzuschreiben. Sie sollen aber auf freiwilliger Basis möglich bleiben.