Warum der Kanton Luzern seine Schulen geschlossen hält, die KV-Berufsschule aber nicht

Die Berufsschule von KV Luzern startet ab 8. Juni mit Präsenzunterricht. Die Abstands- und Hygieneregeln können gemäss der Rektorin eingehalten werden. Derweil wird an den Luzerner Gymnasien, Berufsfach- und Hochschulen bis Ende Schuljahr der Fernunterricht beibehalten.

Alexander von Däniken
Drucken
Teilen

Der Bund hat gesprochen: An den Gymnasien, Berufsfach-, und Hochschulen gilt weiterhin ein Abstand von vier Quadratmetern zwischen den Schülern. Das hat den Kanton Luzern einen Tag später veranlasst, den Fernunterricht an diesen Schulen bis zum Ende dieses Schuljahres weiterzuführen. Ein Präsenzunterricht sei «aus räumlichen und organisatorischen Gründen» nicht möglich.

Die Berufsfachschule KV Luzern geht einen anderen Weg. «Wir haben uns entschieden, den Unterricht am 8. Juni im Halbklassenmodus wieder aufzunehmen», sagt Rektorin Esther Schönberger.

Die Berufsschule von KV Luzern neben der Hofkirche.

Die Berufsschule von KV Luzern neben der Hofkirche.

Manuela Jans-Koch (4. Oktober 2019)
«Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Lernenden die letzten vier Wochen vor den Sommerferien Unterricht haben können. So können wir sehen, was sie aus dem Fernunterricht mitgenommen haben – und was sie eventuell über die Ferien aufarbeiten müssen.»

Der Fernunterricht sei zwar gut organisiert und biete mit gleichem Unterrichtsstoff pro Stufe gute Vergleichsmöglichkeiten. Allerdings habe der Fernunterricht den Teenagern Freiheiten verschafft, «welche manche Lernenden etwas mehr genossen haben, als andere».

Mensa geschlossen, Pausenzeiten versetzt

Die Abstands- und Hygieneregeln werden für den Präsenzunterricht an der Berufsfachschule eingehalten, sagt Schönberger weiter. So befänden sich maximal zwölf Lernende im normalen Klassenzimmer, maximal 14 in grösseren Zimmern und maximal 44 in der Aula. Die Mensa bleibt geschlossen. Die Lernenden besuchen jeweils wochenweise abwechselnd den Unterricht oder den Fernunterricht. Zudem werden die Unterrichts- und Pausenzeiten versetzt gestaltet.

Rektorin Esther Schönberger.

Rektorin Esther Schönberger.

Pius Amrein

In der Detailhandels- und KV-Ausbildung werde ein höheres Gewicht auf schulische Fähigkeiten gelegt als in anderen Berufsausbildungen. «Auch darum ist es für uns sehr wichtig, den Präsenzunterricht wieder einzuführen», sagt sie. Das gelte auch für die Berufsakademie für Weiterbildungen, welche den Unterricht am 6. Juni wieder aufnimmt. Rund 2000 Berufsfachschüler und 3000 Studenten werden pro Jahr am KV Luzern ausgebildet.

Zentralschweiz: Unterschiedliche Lösungen

(rgr) Wie gehen die anderen Zentralschweizer Kantone mit dem Fernunterricht um? Auch in Schwyz und Zug gilt an den Mittel- und Berufsfachschulen bis zu den Sommerferien Fernunterricht. Das gilt in Obwalden für die meisten Berufsschüler und älteren Kantischüler; jene des ersten bis dritten Jahres haben seit 11. Mai Präsenzunterricht.

Dieser startet für die Mittel- und Berufsschüler in Nidwalden am 8. Juni. In Uri gehen wie in Obwalden die jüngeren Mittelschüler bereits seit dem 11. Mai wieder zur Schule – wie jene der Volksschulen auch.

Während die Lehrabschlussprüfungen durchgeführt werden, sieht es bei den Lehrabschlussfeiern anders aus. Das hat für die kaufmännische Berufsschule Willisau besondere Folgen. Statt das 100-Jahr-Jubiläum wie geplant diesen Sommer zu feiern, wird das Fest auf Freitag, 9. Juli 2021, verschoben. Dies teilte die Schule gestern mit.

Lockerung der Distanzregeln bis 27. Mai nicht klar

Hätte der Kanton Luzern seinen Entscheid nicht früher mitteilen können? Nein, sagt Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos). «Bis zum 27. Mai war seitens Bundesrat nicht klar, ob es zu einer weiteren Lockerung der Distanzregeln in den BAG-Grundprinzipien kommen würde.»

Das Distanzhalten ist in der Sekundarschule kein Problem, in den höheren Schulen offenbar schon. «In den Volksschulen müssen keine Distanzen unter den Lernenden eingehalten werden, weil die Ansteckungsgefahr klein ist», sagt Schwerzmann. Entsprechend seien auch die Vorgaben des Bundes anders. Wie gut der Fernunterricht in den höheren Stufen klappt, werde aktuell abgeklärt.

«Bereits jetzt kann aufgrund des Alters der Lernenden auf dieser Stufe gesagt werden, dass sie besser in der Lage sind, selbstständig zu arbeiten.»

Abgeklärt werde auch, inwiefern Schüler überfordert sind.

Schwerzmann hält fest, dass das Maximum an «Bildungsleistungen» aufrechterhalten wurde: «Wir sprechen Promotionen aus mit Zeugnissen und haben die Matura durchgeführt. Andere Kantone haben grosszügig auf beides verzichtet.» Der Bildungsdirektor ist zuversichtlich, im neuen Schuljahr den Präsenzunterricht wieder anbieten zu können.

Mehr zum Thema