KORNMARKT: Dringend gesucht: Archivraum für Originale

Das Archiv der Güüggali-Zunft hält die Erinnerung an verstorbene Luzerner Originale wach. Nun muss das Lokal einem Umbau weichen.

Hugo Bischof
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Güüggali-Zunft-Präsident Hans Pfister im Zunftarchiv im PKZ-Gebäude. In der Hand hält er das Zunft-Wappentier. Neben ihm steht eine lebensgrosse Pappmaché-Figur des legendären Luzerner Originals «Admiral Geiger». (Bild Philipp Schmidli)

Güüggali-Zunft-Präsident Hans Pfister im Zunftarchiv im PKZ-Gebäude. In der Hand hält er das Zunft-Wappentier. Neben ihm steht eine lebensgrosse Pappmaché-Figur des legendären Luzerner Originals «Admiral Geiger». (Bild Philipp Schmidli)

Fotos, Kleidungsstücke, alte Zeitungsartikel, Bücher: Der kleine Raum im ersten Obergeschoss des PKZ-Gebäudes an der Ecke Kornmarkt/Kapellgasse ist rundum voll von Erinnerungsstücken an verstorbene Luzerner Originale. Stolz zeigt Hans Pfister, Präsident der Güüggali-Zunft, einige Prunkstücke der Sammlung. Darunter ist etwa die alte Registrierkasse des vor kurzem von der Lebensbühne abgetretenen legendären «Blueme-Bürgi» Ruedi Bürgi.

Lange gibt es diesen Raum nicht mehr. Das PKZ-Gebäude, in dessen Parterre sich das gleichnamige Modegeschäft befindet, wird nämlich ab Oktober dieses Jahres totalsaniert (siehe Kasten). «Dann werden wir hier ausziehen müssen», sagt Pfister. Wohin, sei noch offen. «Auf der Suche nach einem neuen Raum sind wir noch nicht fündig geworden.»

Güüggali-Zunft 1978 gegründet

Die Güüggali-Zunft, die sich mit grossem Engagement und viel Herzblut dem Wohlergehen der lebenden und dem Gedenken an die verstorbenen Luzerner Originale widmet, wurde 1978 gegründet. 1981 bezog sie ihr Zunftlokal im PKZ-Gebäude. «Zu verdanken haben wir dies unserem Vorstandsmitglied Adolf Portmann, der während vieler Jahre PKZ-Geschäftsführer war», sagt Pfister. «Er fand einen alten Lagerraum im Gebäude, den PKZ nicht mehr benötigte, und stellte uns diesen zur Verfügung – für einen symbolischen Mietpreis.»

Pfister schmunzelt: «Vorher bewahrte ich die Exponate bei mir zu Hause im Keller auf – bis meine Frau reklamierte, da unser ganzer Keller langsam überstellt war.» Die PKZ-Lösung kam wie gerufen: «Anstatt dass hier im Sommer monatelang Wintermäntel hängen, bewahren wir hier nun ein wichtiges Stadtluzerner Kulturgut auf», sagt Pfister.

In einer Ecke steht ein Ständer mit der Uniformjacke des 2012 verstorbenen Marcel Schöngarth alias «Radio Müsli». «Admiral Geiger» (Ulrich Geiger) steht als Pappmaché-Figur im Raum – mitsamt seiner mit Orden vollgesteckten Admiralsuniform, in der er so manchem Umzug in Luzern voranparadierte. Auch eines der berühmten Plakate von Emil Manser, der einst Adventskranz-bekränzt durch Luzerns Strassen wandelte, ist zu sehen: «Intelikenz ist gerecht verteilt: Jede(r) meint genug zu haben.» Die Fülle an Exponaten ist gewaltig.

Pfister hat zu jedem etwas zu erzählen. Da ist etwa die Porträtbüste von Franz Lustenberger («Ölfarb») aus dem Jahr 1910. «Die Originale sassen früher häufig Modell, um ein kleines Trinkgeld zu verdienen», erklärt Pfister. Ein Foto zeigt «Ölfarb» in fasnächtlicher Aufmachung – als Türsteher vor einer Beiz. «Früher hat man mit den Originalen oft ‹das Chalb gemacht› und sich über sie lustig gemacht», so Pfister. «Das ist heute ganz anders, wir nehmen die Originale ernst – mit all ihren Eigenheiten.»

Eine Anekdote zeigt, wie populär die Originale sind. Als 1988 zum 10-jährigen Bestehen der Güüggali-Zunft der erste Band des Buchs «Luzerner Originale» erschien, beantragte die Zunft eine Auflage von mindestens 3000 Exemplaren. Der Verlag bewilligte 2500. «Diese waren innert neun Tagen ausverkauft», erzählt Pfister. Es brauchte einen Nachdruck.

«... dass es chlöpft und tätscht»

Häufig sind Vereine oder Gruppen zu Gast, um das Archiv zu besichtigen und in Erinnerungen zu schwelgen. «Da gibt es jeweils Gesprächsstoff, dass es chlöpft und tätscht», sagt Pfister. Eine Führung dauert eineinhalb Stunden. Die Güüggali-Zunft verlangt dafür nichts. «Man darf freiwillig etwas an unsere Unkosten geben», sagt Pfister.

Raum muss zentral liegen

Und jetzt? Wie weiter? Im sanierten PKZ-Gebäude wird es für die Güüggali-Zunft «leider keinen direkt zugänglichen Raum mehr geben», sagt PKZ-Finanzchef Peter Temperli. «Natürlich ist das schade, aber ich bin überzeugt, die Zunft wird in einem der umliegenden Gebäude ein neues Zuhause finden.» Ein Bekannter Pfisters gab schon ein Inserat auf. Pfister: «Wir erhielten zwei Angebote aus Udelboden/Littau und Ebikon. Leider viel zu weit weg. Wir brauchen einen Raum im Zentrum der Stadt – da, wo sich die Originale auch aufhalten.»

Die Ansprüche der Zunft seien nicht riesig, sagt Pfister. Der Raum sollte etwa 35 bis 40 Quadratmeter gross sein, vergleichbar mit dem heutigen. Und natürlich dürfte die Miete nicht zu viel kosten.

Hinweis:

Anmeldungen für Archivbesichtigungen bei Hans Pfister: Telefon 041 210 56 65