Kostenpflichtige Veloständer beim Bahnhof Luzern: Das Einchecken dauert viel zu lang

Die kostenpflichtigen Veloständer beim Bahnhof Luzern werden nach wie vor kaum genutzt. Studenten der Hochschule Luzern wollen das Projekt in Zusammenarbeit mit der Betreiber-Firma Smartmo verbessern. Sie suchen dafür Testpersonen.

Hugo Bischof
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Meist herrscht gähnende Leere bei den smarten Veloständern vor dem Bahnhof Luzern. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 10. Oktober 2019)

Meist herrscht gähnende Leere bei den smarten Veloständern vor dem Bahnhof Luzern. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 10. Oktober 2019)

Seit bald zwei Monaten stehen die neuen kostenpflichtigen Veloständer der Firma Smartmo vor dem Luzerner Bahnhof. Luzerns Velofahrer haben sich aber offensichtlich noch nicht an sie gewöhnt. Nur ein paar wenige der 50 mit grün-schwarzem Logo gekennzeichneten Smartmo-Ständer sind jeweils durch Velos belegt. Beim Unternehmen Smartmo weiss man um die unbefriedigenden Situation. Die Auslastung liege bei nur rund 20 Prozent, räumt Smartmo-Sprecher Ronald Joho ein: «Das ist natürlich viel zu wenig.» Aber:

«Wir sind nach wie vor überzeugt, dass es klappen wird. Es braucht einfach eine gewisse Zeit, bis sich das Angebot in den Köpfen der Leute festsetzt.»

Bei Smartmo sei man daran, ein Zwischenbilanz zu ziehen, sagt Joho. Eine erste Erkenntnis laute: «Es dauert viel zu lang, bis man sein Velo im Ständer eingecheckt hat, nämlich rund fünf Minuten.» Für das Einchecken braucht man eine App auf dem Handy. Joho:

«Wir sind daran, die App zu optimieren, um den Ablauf deutlich schneller zu machen.»

An der App-Lösung werde man auf jeden Fall festhalten: «Das ist das Besondere an unserer Lösung, das macht sie attraktiv für heutige Nutzer.» Die Smartmo-Velostation sei eine Art «Hochsicherheitstrakt», sagt Joho: «Die Velos sind hier sicher. Zudem können E-Bikes aufgeladen werden.» Die Reservation eines Ständers kostet in der ersten Stunde 66 Rappen. Bei jeder weiteren Stunde kommen 6 Rappen dazu. Maximal kostet ein Ständer 1,80 Franken pro Tag. Gesichert und entsichert wird das Velo per QR-Code oder Swiss Pass.

Starttermin im Herbst war «nicht optimal»

«Ein weiterer Grund für das zurzeit geringe Interesse könnte sein, dass der Starttermin für unser Pilotprojekt am 24. September nicht optimal gewählt war», sagt Joho. «Denn mit den sinkenden Temperaturen sind jetzt naturgemäss auch weniger Velofahrer unterwegs.» Ein aktueller Augenschein vor Ort zeigt allerdings, dass gleich anschliessend an die Smartmo-Ständer die Velos noch immer dichtgedrängt stehen. «Wir machen im kommenden Frühling einen Reload», sagt Joho, «und sind zuversichtlich, dass dann mehr Velofahrer unser Angebot nutzen werden.»

Aktuell will eine Studentengruppe an der Hochschule Luzern (HSLU) nun untersuchen, «was der Mehrwert der neuen digitalen Veloständer ist». Ihr Sprecher Sven Cremer bestätigt einen entsprechenden Bericht von «Zentralplus» und sagt zu unserer Zeitung: «Wir wollen im Auftrag eines Moduls/Projekts der Hochschule in Zusammenarbeit mit Smartmo das Nutzererlebnis der neuen Veloständer verbessern.» Gesucht werden Testpersonen. Sie erhalten einen Voucher, mit dem sie den Smartmo-Veloständer kostenlos testen können. Danach erhalten sie einen Fragebogen, auf dem sie die wichtigsten Fragen zu ihrem «Customer Journey» (Kundenerlebnis) beantworten müssen. Cremer sagt:

«Wir haben bereits einige Testpersonen gefunden, suchen aber noch weitere, um das Benutzererlebnis möglichst optimal verbessern zu können.»

Das Smartmo-Pilotprojekt ist mittlerweile auch in Zürich, Uster, Solothurn und Basel angelaufen. «Nächsten Sommer werden wir in Absprache mit den SBB festlegen, wie es weitergeht», sagt Ronald Joho. 

Hinweis
Interessierte Testpersonen, auch Nicht-Studenten, melden sich bei folgender E-Mail-Adresse: sven.cremer@stud.hslu.ch