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KOTTWIL: Viele Knollen sind ungenügend

Zwischen 30 und 50 Prozent der diesjährigen Ernte können nicht verkauft werden. Für Bauer Markus Schmid ist das ein grosser Verlust – es dürften bis zu 180 Tonnen sein.
Yasmin Kunz
Oben: Bauer Markus Schmid sortiert mit Helferin Cornelia Banz die Kartoffeln. Unten: Der Landwirt füllt die Kartoffeln auf seinem Hof in Kottwil in grosse Holzkisten und gibt Anweisungen. (Bilder Nadia Schärli)

Oben: Bauer Markus Schmid sortiert mit Helferin Cornelia Banz die Kartoffeln. Unten: Der Landwirt füllt die Kartoffeln auf seinem Hof in Kottwil in grosse Holzkisten und gibt Anweisungen. (Bilder Nadia Schärli)

Yasmin Kunz

«Raus, raus, raus», sagt Bauer Markus Schmid (57). Er steht mit Cornelia Banz (47) und Markus Wespi (50) auf dem Grimme, gemeinsam sortieren sie die Kartoffeln. Grimme: So heisst die Maschine, welche die Kartoffeln aus der Erde holt und aufs Fliessband befördert. Während der Haupternte stehen bis zu sechs Personen auf dieser Maschine.

Unten am Band, wo die Kartoffeln aus dem Boden kommen, steht Wespi, der die Erde und Steine von den Kartoffeln trennt. Die Kartoffeln rollen weiter und werden oben am Band von Markus Schmid und Cornelia Banz kontrolliert. Sie entscheiden, welche Kartoffeln für den Verkauf geeignet sind und welche den Tieren verfüttert werden müssen.

Schmid gibt seinen Helfern Anweisungen: «Alle grünen und faulen Kartoffeln, alle mit einem ‹Börzi› oder einem sogenannten Wachstumsriss müssen wir wegwerfen.» Das sind viele dieses Jahr. Gemäss Schmid, der in Kottwil, einem Ortsteil der Gemeinde Ettiswil, auf 10,5 Hektaren Kartoffeln anpflanzt, ist der Ernteerlös dieses Jahr deutlich kleiner als gewöhnlich. «Je nach Sorte verzeichnen wir eine Einbusse von 30 bis 50 Prozent.»

Die Erntezeit ist verspätet

Normalerweise beginnt die Erntezeit der Frühsorten wie etwa der «Lady Cristal» bereits Ende Juli oder Anfang August. Aufgrund des nassen Frühlings hat Schmid mit der Ernte noch ein paar Tage länger zugewartet. «Die Pflanzen brauchten noch mehr Zeit, um zu wachsen. Trotzdem werden die Kartoffeln zu klein ausfallen», erklärt der vierfache Familienvater.

Seit sieben Jahren hilft Cornelia Banz, die ebenfalls in Kottwil wohnt, dem Kartoffelbauer bei der Ernte. «Ich mache das gerne, auch wenn es zeitweise ziemlich anstrengend ist», sagt sie. «Die Natur bestimmt den Erntezeitpunkt.» Falle dieser nicht auf die Sommerferien wie jetzt, arbeiten die Helfer abends. «Wir haben schon bis vier Uhr morgens gute von schlechten Kartoffeln getrennt», erinnert sich Cornelia Banz. Auch Markus Wespi steht die fünfte Saison auf der Erntemaschine und trägt dazu bei, dass nur die besten Kartoffeln im Ladenregal landen.

Wegen Brand auf Knollen gesetzt

2007 ist ein Jahr, welches Schmid nicht vergessen wird. «Damals ist unsere Scheune vollständig abgebrannt.» Dieses Schicksal führte zu einer Neuorientierung, wie Schmid sagt. Anstatt Kühe zu halten, setzte er fortan auf Kartoffeln. «Lebensmittel werden immer gebraucht», sagt er zu seinem Entscheid. Ausschlaggebend war auch, dass er mit dem Kartoffelanbau schon rund 35 Jahre Erfahrung gesammelt hatte. «Die Anbaufläche haben wir dann von 3 auf 10,5 Hektaren erweitert», sagt der Landwirt. Nur von Kartoffeln allein könnte Markus Schmid nicht leben. Er hält noch 480 Mastschweine.

In den letzten neun Jahren hat Markus Schmid immer wieder mal eine weniger gute Kartoffelernte erlebt. Auch im Jahr 2015 entsprach sie nicht seinen Vorstellungen. «Im Frühling war es viel zu nass und im Sommer zu heiss», sagt Schmid. Die finanzielle Einbusse ist jeweils gross. Denn der Anbau einer Hektare Kartoffeln kostet von der Saat bis zur Ernte rund 7000 Franken. Auf einer Hektare kann Schmid rund 35 Tonnen Kartoffeln ernten. Seine 10,5 Hektaren bringen also über 360 Tonnen ein, die Kosten betragen über 70 000 Franken. Welche Menge er heuer tatsächlich ernten wird, ist noch offen. Schmid schätzt den Reingewinn dieses Jahr auf 2000 bis 3000 Franken pro Hektare. In einem guten Jahr liegt dieser zwischen 6000 und 7000 Franken.

Hoffen auf regenfreie Tage

Noch ist die Erntezeit nicht vorbei. Von sechs angebauten Sorten hat er bis dato ein paar «Lady Christals» geerntet. Die letzten Sorten werden erst Ende September oder gar Anfang Oktober für die Erntemaschine bereit sein. Nun hofft der Bauer, dass es keine lang anhaltenden Niederschläge mehr geben wird. «Wenn es drei Tage auf gesättigte Böden regnet, werden die Kartoffeln schon auf dem Feld faul.»

Die bereits sortierten Kartoffeln liegen nun zugedeckt im Kartoffelraum in einer grossen Holzbox, genannt Paloxe. «Sie müssen vor Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht grün werden», erklärt der Bauer. Die grössten Abnehmer von Schmids Kartoffeln sind die Migros und Privatfirmen. Auch der Landi werden seine Kartoffeln geliefert.

Dass eine sehr grosse Anzahl der Kartoffeln nicht verkauft werden können, hat mit den hohen Ansprüchen der Kunden zu tun. Aussortiert werden nämlich auch Kartoffeln, die von der normalen Form abweichen, ansonsten aber keine Makel aufweisen. Schmid: «Das ist unsere Gesellschaft – sie will nur schön geformte Kartoffeln.» Wegen der Ernteausfälle würden dieses Jahr die Abnehmer wohl ein Auge zudrücken, hofft der Landwirt. «Vielleicht nehmen sie dieses Jahr auch mal eine Knolle, die eine Ausbuchtung aufweist.»

Kanton Luzern ist ein kleiner Kartoffel-Produzent

Der Kanton Luzern ist kein klassisches Kartoffelanbaugebiet, er stellt nur rund 1,5 Prozent der schweizerischen Anbaufläche. Führend sind die Kantone Bern, Freiburg und Waadt. Die Erntemenge liegt in der Schweiz bei rund 450 000 Tonnen.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges hatte die Knolle die grösste Bedeutung für die Schweizer Bevölkerung. Unter dem Namen «Plan Wahlen» wurde ab 1940 der Selbstversorgungsgrad massiv erhöht. Die Anbaufläche stieg von 47 000 Hektaren im Jahr 1939 auf 89 900 Hektaren im Jahr 1944.
Seit einigen Jahren wird die Anbaufläche stetig kleiner – so auch im Kanton Luzern (siehe Grafik). Während 1975 schweizweit knapp 24 000 Hektaren Kartoffeln angebaut wurden, waren es im vergangenen Jahr noch rund 11 000. Grund: Der Bund hat die Kartoffelpreise bis in die 90er-Jahre reguliert. Heute trägt der Bauer das Risiko selber.

Auch die Zahl der Betriebe ist im gleichen Zeitraum landesweit massiv gesunken. Im Kanton Luzern beispielsweise zählte das Bundesamt für Statistik im Jahr 1975 rund 3600 Betriebe, waren es 2015 noch 223.

Bild: Neue LZ

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