Krallt sich der Discounter Lidl die ehemaligen Post-Räume in der Krienser Hofmatt?

Die Post sucht einen Mieter für ihren ehemaligen Standort in der Krienser Hofmatt. Ein heisser Kandidat ist der Discounter Lidl. Der Stadtrat hätte allerdings noch eine andere Idee.

Roman Hodel
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Tote Hose: Die ehemalige Post in der Hofmatt.

Tote Hose: Die ehemalige Post in der Hofmatt.

(Bild: hor, Kriens 19. Dezember 2019)

Die Rollläden sind heruntergelassen, der Eingangsbereich verwaist: Seit dem Umzug der Post ins Krienser Stadthaus Mitte Oktober herrscht am alten Standort des gelben Riesen in der Hofmatt tote Hose. Das könnte sich allerdings bald ändern. Unsere Zeitung weiss aus zwei voneinander unabhängigen Quellen, dass sich Lidl für die Lokalitäten interessiert.

Das erstaunt nicht, denn der Discounter ist in der Region Luzern bislang eher schwach vertreten – konkret nur in Emmenbrücke, Buchrain und Stans. Anders Konkurrenz Aldi: Dieser betreibt mehr als doppelt so viele Verkaufsstellen; namentlich zwei in Kriens selber, bald drei in der Stadt Luzern sowie je eine in Emmenbrücke und Dierikon.

Lidl will vermehrt in die Städte

Zudem entspräche der Standort der im vergangenen März vorgestellten Strategie, wonach Lidl künftig vermehrt Filialen in Stadtzentren und an Bahnhöfen eröffnen will. Damit möchte der Discounter laut eigenen Angaben «dem wachsenden Bedürfnis der urbanen Bevölkerung nach einer raschen und preiswerten Nahversorgung» nachkommen.

Es wäre denn auch nicht der erste Lidl in einer ehemaligen Post: Unweit der noblen Zürcher Bahnhofstrasse betreibt der Discounter seit zwei Jahren einen Laden. Die Verkaufsfläche beträgt dort 1000 Quadratmeter. In Kriens misst das Erdgeschoss der ehemaligen Post 860 Quadratmeter – allerdings könnte wohl kaum alles für den Verkauf genutzt werden.

Ob Lidl in der Hofmatt einziehen wird, will Post-Sprecher Markus Flückiger weder bestätigen noch dementierten. Er schreibt auf Anfrage:

«Die Post ist an der Vermietung der Fläche. Die Verhandlungen dazu laufen.»

Auch Lidl lässt sich nicht in die Karten blicken. Die Medienstelle teilt standardmässig mit: «Obwohl die Region um Kriens sehr interessant ist für uns, können wir Ihnen aktuell leider keine Informationen zu einem konkreten Projekt nennen.»

Dem Stadtpräsidenten fehlt ein Do-it-yourself-Angebot

Die leeren Post-Flächen sind auch Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne), der mit dem Velociped selber als Gewerbler in der Nähe aktiv ist, nicht entgangen. Er sagt: «Als Stadtrat unterstützen wir aktiv eine Neuansiedlung, damit der Hofmattplatz ein lebendiger Zentrumsplatz bleibt. Wir wünschen uns deshalb eine Firma mit hoher Kundenfrequenz sowie einem Sortiment, das einen guten Branchenmix schafft.» Diesbezüglich wäre laut ihm ein Geschäft mit Do-it-yourself-Produkten wünschenswert. «Seit dem Wegzug des Migros Do-it-yourself fehlen solche Produkte im Zentrum. Es wäre eine Chance, wenn die Leute dafür nicht weit fahren müssten.»

Nicht von den Vermietungsplänen der Post betroffen sind die Räume der ehemaligen Credit-Suisse-Filiale im selben Gebäude in der Hofmatt. Der Bankschalter ist zwar seit letztem Sommer geschlossen, doch der Vertrag der CS läuft laut der verantwortlichen Immobilienverwaltung noch zwei Jahre. Die Bank hat nun dort Backoffice-Arbeitsplätze eingerichtet.

Erster Versuch in Kriens scheiterte

Sollte Lidl tatsächlich in die Hofmatt einziehen, wäre es für ihn ein spätes Happy-end in Sachen Kriens. Zehn Jahre ist es her, als der Discounter Pläne für einen Laden auf dem Areal des Carunternehmens Heggli im Mattenhof hegte. Der damalige Gemeinderat sperrte sich jedoch dagegen und verwies auf die verhängte Planungszone. Als Hauptgrund gab er an, man wolle das Gebiet städtebaulich aufwerten und da hätten einstöckige Verkaufslokale keinen Platz. Heggli drohte daraufhin gar mit dem Wegzug seiner Firma. Die Anwälte von Lidl erhoben schliesslich Einsprache gegen die Planungszone und zogen vor Verwaltungsgericht – vergeblich.