KRANKENKASSE: Dubiose Makler peilen Höfe an

Agrisano ist im Visier von unseriösen Agenten: Jene schwatzen Versicherten Verträge auf, um Provisionen einzukassieren.

Evelyne Fischer
Drucken
Teilen
Unter dem Vorwand, Versicherte hätten Prämienrückerstattungen zugute, drängen derzeit unseriöse Agenten auf Hausbesuche. (Symbolbild Getty)

Unter dem Vorwand, Versicherte hätten Prämienrückerstattungen zugute, drängen derzeit unseriöse Agenten auf Hausbesuche. (Symbolbild Getty)

«Warnung vor unseriösen Maklern»: Mit diesen Worten mahnt der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband im aktuellen Newsletter Versicherte der Agrisano, sich keine Verträge aufschwatzen zu lassen. Die Krankenkasse hat sich auf Bauernfamilien ausgerichtet und zählt schweizweit 130 000 Grundversicherte – im Kanton Luzern rund 8700.

Agenten locken mit Sparpotenzial

«In der letzten Zeit haben negative Rückmeldungen wieder zugenommen», sagt Fredy Krieger, Stellenleiter der Luzerner Versicherungsberatung in Sursee. «Unter dem Vorwand, die Versicherten hätten Prämienrückerstattungen zugut, wollen die Betrüger Termine vereinbaren.» Auch gaukeln sie vor, Sparpotenzial zu präsentieren. «Dabei geben sie an, im Auftrag von Agrisano zu arbeiten. In Tat und Wahrheit aber wollen sie einen Vertrag mit einem anderen Versicherer abschliessen und Provisionen einkassieren.» Das Problem existiere schon länger, sagt Krieger. «Die Krankenkassen buhlen um Versicherte und setzen für Vertragsabschlüsse hohe Provisionen aus.» Wenn dafür externe Broker engagiert werden, sei dies ein zweischneidiges Schwert. Die Kontrolle fehle. Agrisano distanziere sich «von solchen Machenschaften» und zahle für keinerlei Vermittlungen Provisionen.

Im letzten Jahr gingen gegen 30 Meldungen von Betroffenen ein. «Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen», vermutet Krieger. Auch aus den Kantonen Zug und Schwyz habe es entsprechende Rückmeldungen gegeben. «Problematisch wird es, wenn Verträge abgeschlossen und Zusatzversicherungen gekündigt werden. Dies war im letzten Jahr vier Mal der Fall und ist für die Betroffenen sehr ärgerlich.» Um wieder eine Zusatzversicherung zu beantragen, muss der gesamte Gesundheitsfragebogen neu ausgefüllt werden. «Man riskiert, von bestimmten Leistungen ausgeschlossen zu werden.»

Kündigung gut überlegen

Fälle von Geprellten kennt Morena Hostettler Socha von der Ombudsstelle Krankenversicherung mit Sitz in Luzern zur Genüge. «Ich bin seit drei Jahren als Ombudsfrau tätig, und immer wieder kündigen Leute blindlings ihre Zusatzversicherungen.» Meist, ohne die neuen Prämien zu kennen. Dass nun auch kleinere Krankenkassen ins Visier «falscher» Makler geraten, sei ihr neu. «Jene haben meist einen engen Kontakt zu ihren Kunden.» Beschwerden waren selten.

Hostettler warnt: «Es ist ein sehr heisses Eisen, Zusatzversicherungen zu künden.» Dafür gebe es eigentlich nur zwei Gründe. «Entweder, man braucht sie nicht mehr, oder man kann sie sich nicht mehr leisten.» Einmal gekündigt, sei es schwierig, den gleichen Versicherungsschutz wiederzuerlangen. «Wir werden mit zunehmendem Alter nicht gesünder.» Kommt es zu einer Kündigung, sollte man diese selber vornehmen. «Nie Dritte machen lassen.» Wer seine Unterschrift gegeben habe und den Entscheid bereue, müsse sich sputen: «Spätestens am nächsten Tag den bisherigen Versicherer kontaktieren und die Kündigung für nichtig erklären.» Dasselbe sollte man in einem eingeschriebenen Brief festhalten. «So kann der Widerruf die Kündigung überholen.»

Unseriöse Agenten zu überführen, sei «quasi unmöglich», sagt Hostettler. Auf einer internen Liste hielt ein Mitarbeiter einst die «schwarzen Schafe» fest. «Die Namen wiederholten sich ständig, doch kaum je liess sich ein krummes Geschäft beweisen.» Der Vertragsabschluss sei ein vertraulicher Akt. «Wenn jemand dabei ist, dann meist Familienmitglieder. Diese gelten schnell mal als parteiisch.» Man sei oft machtlos, bestätigt Fredy Krieger. Nur selten gelinge es, jene Broker ausfindig zu machen. «Will man mit ihnen einen Termin abmachen, winden sie sich.» Das eine Mal meldet sich der Makler krank, das andere Mal kommt ein Todesfall dazwischen. «Wir haben schon jegliche Ausreden gehört.»

So schützt man sich

«Viele wissen nicht, dass sie vom Makler einige Angaben einfordern können», sagt Krieger mit Verweis auf die Informationspflicht im Versicherungsaufsichtsgesetz. Und Ombudsfrau Ho­stettler ergänzt: «Viele haben Hemmungen, die Visitenkarte zu verlangen und die Unterlagen in aller Ruhe nochmals zu studieren. Doch man darf sich nicht einschüchtern lassen.» Weitere Tipps:

  • Anrufe mit unterdrückter Nummer gar nicht erst empfangen.
  • Telefongespräch sofort beenden – insbesondere, wenn es nur darum geht, einen Termin zu vereinbaren.
  • Name und Adresse des Maklers einfordern und verlangen, dass er Arbeitgeber und Provision offenlegt.
  • Prüfen, ob die angebotenen Versicherungsdeckungen angemessen sind, und klären, wer bei Nachlässigkeit oder Beratungsfehlern haftet.
  • Nichts unter Zeitdruck unterschreiben.


Evelyne Fischer