KRANKHEIT: Grippewelle ist einen Monat zu früh dran

Das Luzerner Kantonsspital verzeichnete im Dezember so viele Grippefälle wie normalerweise zur Hauptsaison. Dafür bleibt Luzern von den Masern derzeit verschont – im Gegensatz zu anderen Regionen.

Drucken
Teilen
In der Zentralschweiz ist die Grippewelle noch nicht überstanden. (Symbolbild LZ)

In der Zentralschweiz ist die Grippewelle noch nicht überstanden. (Symbolbild LZ)

«Bester Beweis einer guten Erziehung ist die Pünktlichkeit», sagte einst der deutsche Dichter Gotthold Ephraim Lessing. Folgt man seinen Worten, hatte die Grippe eine gute Kinderstube. «Wir haben auffallend viele Grippeerkrankungen verzeichnet», sagt der Chefarzt für Infektiologie am Luzerner Kantonsspital, Marco Rossi, auf Anfrage unserer Zeitung. Besonders daran sei aber nicht das Ausmass, sondern der Zeitpunkt: «Normalerweise erkranken die meisten Personen zwischen Januar und März. In diesem Winter war die Zahl aber bereits im Dezember so hoch wie in der Regel einen Monat später.»

Ob die aktuelle Saison zu einer Rekordzahl von Grippefällen führt, bleibt abzuwarten. «Es kann auch sein, dass die Welle einfach früher aufgetreten ist und dafür auch wieder früher abflacht», so Rossi.

Schweizweit doppelt so viele Masernfälle

Eine andere Krankheit ist im letzten Jahr dafür nicht abgeflacht: die Masern. Die Zahl der Masernfälle hat sich von 2015 auf 2016 mehr als verdoppelt – von schweizweit 36 auf 73 Meldungen. Das widerspricht den Plänen des Bundes. Dieser hatte den Masern den Kampf angesagt. Und wollte sie bis ins Jahr 2015 ausgerottet haben. Das wäre dann der Fall gewesen, wenn 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Krankheit immun wären – sie also bereits gehabt oder die beiden notwendigen Impfdosen verabreicht bekommen hätten. Der Bund empfiehlt, Kinder mit 12 Monaten das erste Mal gegen das Virus zu impfen. Die zweite Dosis soll dann bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs folgen. Sind 95 Prozent der zweijährigen Kinder geimpft, gilt eine Krankheit auf lange Zeit hinaus als eliminiert. Die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit stammen aus dem Jahr 2015 und sprechen eine andere Sprache: In der Schweiz waren 87 Prozent der zweijährigen Kinder gegen die Masern mit zwei Dosen geimpft. Im Kanton Luzern waren es bis 2013 ebenfalls deren 87. Hier waren die Masern im vergangenen Jahr praktisch kein Thema. Gemäss dem stellvertretenden Kantonsarzt, Christos Pouskoulas, wurden in Luzern nur zwei Fälle gemeldet. Anders ist die Situation in Lausanne und im Kanton Graubünden. Dort steckten sich 22 respektive 13 Personen an.

Masern könnten wieder ausbrechen

Eine Häufung der Fälle könnte auch im Kanton Luzern passieren, glaubt Marco Rossi: «Die Durchimpfungsquote liegt noch nicht bei den angestrebten 95 Prozent. Einzelne Fälle oder kleine Ausbrüche der Masern wären auch hier wieder möglich.» Laut Rossi aber vermutlich nicht mehr im Ausmass wie zwischen 2006 und 2009. Damals wurden landesweit 3450 Masernfälle gemeldet – allein 938 stammten aus dem Kanton Luzern.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch