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KRANKHEIT: Tödliches Virus: 2500 Betriebe in Luzern betroffen

Erste Wildvögel sind in der Schweiz am Vogelgrippevirus gestorben. Nun hat der Bund landesweit Massnahmen verhängt. In Luzern sind rund 2500 Betriebe davon betroffen – und über eine Million Tiere.
Yasmin Kunz
Auch diese Hühner von Landwirt Martin Villiger müssen derzeit drinnen bleiben. Bild: Dominik Wunderli (Horw, 14. November 2016)

Auch diese Hühner von Landwirt Martin Villiger müssen derzeit drinnen bleiben. Bild: Dominik Wunderli (Horw, 14. November 2016)

Nach genau zehn Jahren ist es wieder in unserem Land: das Vogelgrippevirus. Zuerst trat es in der Bodenseeregion auf; später wurden auch am Waadtländer Ufer des Genfersees infizierte Wildvögel tot aufgefunden. Für diese Regionen galten bis dato besondere Schutzmassnahmen.

Am Dienstag hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) jedoch entschieden, die Massnahmen gegen die Vogelgrippe zu verstärken – indem es die ganze Schweiz zum Kontrollgebiet erklärte. Ziel ist es, den Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel zu vermeiden, wie das BLV mitteilte.

Stallpflicht oft die einzige Möglichkeit zum Schutz

Obwohl man im Kanton Luzern noch von keinem mit dem Vogelgrippevirus infizierten Tier Kenntnis hat, gelten die erhöhten Schutzmassnahmen auch hier. Im Kanton Luzern betreffen sie zirka 2500 Geflügelzüchter, wie Martin Brügger, Leiter Tiergesundheit und stellvertretender Kantonstierarzt, auf Anfrage sagt. Wie die neue Verordnung vom BLV von den Tierhaltern umgesetzt wird, ist ihnen selber überlassen. Eine absolute Stallhaltungspflicht gibt es laut Brügger zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Dennoch räumt er ein, dass dies meist die einzige Möglichkeit zum Schutz der Tiere ist. «Ausser die Tierhalter können ihr Aussengehege überdachen.»

Martin Villiger aus Horw ist einer von vielen, die von dieser Massnahme betroffen sind. Villiger hält in Horw 300 Hühner. Er sagt: «Meine Tiere sind nun im Stall und laufen nicht mehr frei auf der Wiese umher.» Der Stall sei so konstruiert, dass keine anderen Vögel zu den Hühnern gelangen. Seit die Vogelgrippe 2006 landesweit grassierte, sei er bestens gewappnet für solche Fälle. Obwohl Villiger einen Grossteil seines Einkommens mit den Hühnern bestreitet, macht er sich vorerst keine Sorgen, dass die Vogelgrippe auch seine Tiere betreffen könnte. «Es bringt nichts, sich jetzt schon zu fürchten.» Er werde nun seine Tiere gut beobachten. Falls er Verdächtiges feststelle, werde er das umgehend melden.

Damit folgt er der Forderung von Martin Brügger, Leiter Tiergesundheit beim Kanton Luzern und stellvertretender Kantonstierarzt. Dieser hält nämlich fest, dass allfällige Symptome sofort bei einer zuständigen Stelle gemeldet werden müssen (siehe Hinweis). Auf die Vogelgrippe deuten könnte, wenn das Tier weniger leistungsfähig ist, einen müden und matten Eindruck macht, Atemwegssymptome wie Husten und Niesen zeigt, deformierte Eier legt oder wenn sich der Kamm blau verfärbt. Der Leiter der Tiergesundheit erklärt aber, dass diese Symptome auch auf andere Krankheitsbilder zutreffen können. Bis dato sind im Kanton Luzern keine Verdachtsfälle registriert worden.

Weiter weist Brügger darauf hin, dass sich die Nutzgeflügelhalter an die gängigen Hygienevorschriften zu halten haben: Kleider und Stiefel nach dem Stallgang wechseln, Gerätschaften säubern und nicht mit anderen Geflügelbesitzern austauschen und sich nach dem Kontakt mit Geflügel die Hände gründlich waschen.

Massenhaltung begünstigt Ansteckung

Der Kanton Luzern zählt über 1,2 Millionen Geflügeltiere, die meisten werden in Massen gehalten. Das heisst: Viele Tiere leben auf engem Raum zusammen. «Diese Situation begünstigt die Ausbreitung eines Virus», so Brügger. Infizieren würden sich die Tiere über Tröpfchen in der Luft oder Kot. Ist ein Tier mit dem Virus befallen, muss es getötet werden.

Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich, wie Nathalie Rochat vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen auf Anfrage sagt. «Im Gegensatz zur Vogelgrippe, die im Jahr 2006 grassierte, ist dieses Virus nicht auf den Menschen übertragbar.» (Siehe Kasten) Die Sicherheitsvorkehrungen seien getroffen worden, um das Risiko einer Übertragung möglichst auszuschliessen – bisher mit Erfolg: Landesweit sind noch keine Fälle von Vogelgrippe bei Nutzgeflügel bekannt.

In anderen Ländern wie Österreich, Deutschland, Ungarn und Dänemark hat das Virus dagegen vereinzelt bereits Nutztiergeflügelbetriebe befallen. Derzeit grassiert der gleiche Subtyp von diesem Virus in den Ländern Dänemark, Deutschland, Ungarn, Polen, Österreich, Kroation und Holland.

2006 grassierte ein schlimmeres Virus

Schon 2006 hatte der Bund dieselben Massnahmen gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe getroffen. Ein Jahr später galt die Massnahme nur noch für Tierzüchter in der Nähe von Schweizer Gewässern. Davon betroffen waren 5000 Züchter in 20 verschiedenen Gebieten vorab im Mittelland und in der Zentralschweiz. Vor zehn Jahren grassierte jedoch ein deutlich gefährlicher Subtyp der Vogelgrippe: der H5N1. Bei diesem gab es gemäss Weltgesundheitsorganisation Indizien, dass er mutieren kann – somit war eine Übertragung auf Menschen wahrscheinlicher. Todesfälle gab es in der Schweiz jedoch keine.

Landesweit haben sich 2006 neun Tiere mit dem Vogelgrippevirus infiziert. Das Virus, welches jetzt grassiert, tritt nicht zum ersten Mal in Erscheinung. Bereits Mitte November 2014 hatte sich die Vogelgrippe von Asien bis nach Europa ausgebreitet. In Holland, Deutschland und England mussten damals mehrere Legehennen, Truthähne und Enten zwangsgeschlachtet werden.

Hinweis

Verdächtige Fälle können Sie bei der Luzerner Polizei, der kantonalen Wildhut oder der Jagd- und Fischereiaufsicht melden. Weitere Informationen finden Sie unter www.veterinaerdienst.lu.ch.

Yasmin Kunz

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