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KRAWALLE: Quartier setzt sich zur Wehr

Die Anwohner im Quartier Hirschmatt-Neustadt haben die Nase voll von Fanmärschen und Krawallen. Sie haben klare Forderungen.
Christian Glaus
Gewaltbereite FCZ-Chaoten in der Voltastrasse. (Bild: PD)

Gewaltbereite FCZ-Chaoten in der Voltastrasse. (Bild: PD)

Die Anwohner ganzer Strassenzüge wurden am Pfingstmontag in Angst und Schrecken versetzt. Chaoten des FC Luzern und des FC Zürich lieferten sich nach dem Super-League-Fussballspiel am Abend wilde Strassenschlachten, wobei auch Privatautos und Wohnhäuser beschädigt wurden (Ausgaben der letzten Tage). Dies insbesondere entlang der Eschen- und der Voltastrasse, aber auch etwa an der Biregg- und der Bleicherstrasse.

Zürcher Chaoten wüten mit Eisenstangen vor dem Café Volta in der Volta­strasse. (Bild: Leserreporter)Zürcher Chaoten wüten mit Eisenstangen vor dem Café Volta in der Volta­strasse. (Bild: Leserreporter)
Darauf kommts zur Krawalle (Bild: Leserreporter)Darauf kommts zur Krawalle (Bild: Leserreporter)
Gemäss Polizei wurde niemand verletzt. (Bild: Leserreporter)Gemäss Polizei wurde niemand verletzt. (Bild: Leserreporter)
Ein Mann liegt am Boden und wurde mutmasslich verprügelt. Passiert ist der Vorfall an der Ecke Bireggstrasse / Bleicherstrasse. (Bild: Leserreporter)Ein Mann liegt am Boden und wurde mutmasslich verprügelt. Passiert ist der Vorfall an der Ecke Bireggstrasse / Bleicherstrasse. (Bild: Leserreporter)
Der Wasserwerfer fährt auf und sorgt für Ruhe. (Bild: Leserreporter)Der Wasserwerfer fährt auf und sorgt für Ruhe. (Bild: Leserreporter)
Aufruhr im Sektor D1, nachdem Zürcher Anhänger über den Zaun gestiegen sind und auf einen Luzerner eingeprügelt haben. (Bild: Philipp Schmidli)Aufruhr im Sektor D1, nachdem Zürcher Anhänger über den Zaun gestiegen sind und auf einen Luzerner eingeprügelt haben. (Bild: Philipp Schmidli)
Grossaufgebot der Polizei beim Bahnhof. (Bild: Leserreporter)Grossaufgebot der Polizei beim Bahnhof. (Bild: Leserreporter)
Vor dem Spiel: FCL-Anhänger blockierten die Seebrücke... (Bild: Neue LZ)Vor dem Spiel: FCL-Anhänger blockierten die Seebrücke... (Bild: Neue LZ)
... zündeten Pyros... (Bild: Neue LZ)... zündeten Pyros... (Bild: Neue LZ)
... und marschierten in Richtung Allmend. (Bild: Neue LZ)... und marschierten in Richtung Allmend. (Bild: Neue LZ)
Ein Kleber zeugt vom Marsch der FCZ-Anhänger. (Bild: Neue LZ)Ein Kleber zeugt vom Marsch der FCZ-Anhänger. (Bild: Neue LZ)
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Krawalle in Luzern

Keine Fanmärsche durch Quartier

Besonders unruhig lebt es sich an der Voltastrasse, die auf der Route der Fanmärsche liegt. Selbst wenn die Märsche friedlich verlaufen, sind sie für die Anwohner unangenehm. Grosse Gruppen singender und johlender Club-Anhänger ziehen vor den Wohnhäusern vorbei, oft begleitet von einem grossen Polizeiaufgebot. «Für uns als Anwohner ist das unangenehm bis einschüchternd. Einige sprechen auch von kriegsähnlichen Zuständen», sagt Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt.

Auch er hat es schon erlebt, dass er nicht mehr nach Hause konnte, weil die Polizei die Strasse abgeriegelt hat. Das sei schon vielen Anwohnern widerfahren, weiss Schulthess. Die Ausschreitungen vom letzten Montag haben für den Quartierverein das Fass zum Überlaufen gebracht. «Wir wollen keine Fanmärsche und -transporte mehr durch unser Quartier», fordert Schulthess klar.

Andere Anwohner haben bereits kapituliert. Unsere Zeitung weiss von Mietern, die sich auf Wohnungssuche machen, weil für sie die Situation nicht mehr tragbar ist. Ein Anwohner, der bald Vater wird, sagt: «Die Vorstellung, dass wir mit dem Kind auf dem Heimweg sind und Chaoten über den Weg laufen oder gar nicht mehr nach Hause kommen, macht uns Angst.»

Anderer Meinung ist ein Anwohner der Voltastrasse, der einen Brief an den städtischen Sicherheitsvorsteher Adrian Borgula und an den FC Luzern geschrieben hat. Der Familienvater berichtet zwar, seine Familie sei verängstigt gewesen. Seine Kinder hätten den Montagnachmittag aus Sicherheitsgründen in der Wohnung verbringen müssen. Trotzdem sagt er: «Wir lassen uns nicht vertreiben.»

Dass Anwohner wegen den Fanmärschen und Krawalle nun tatsächlich wegziehen wollen, ist Markus Schulthess neu. Er sagt aber: «Wenn es so weitergeht, ist es tatsächlich möglich, dass die Stimmung kippt und man nicht mehr hier wohnen will.»

Stadtrat verurteilt Krawalle

Gestern äusserte sich auch der Luzerner Stadtrat zu den Krawallen vom Pfingstmontag. «Der Stadtrat verurteilt das Verhalten der gewalttätigen Fans aufs Schärfste, ebenso die damit verbundene Gefährdung der Quartierbevölkerung», heisst es in der Medienmitteilung. Betroffene Anwohner hätten sich beim Stadtrat beschwert. Mit konkreten Forderungen oder Massnahmen hält sich der Stadtrat aber zurück. Er wiederholt, was er schon oft sagte: Man setze auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Kanton und Polizei, und der Dialog mit der Quartierbevölkerung solle vertieft werden.

Damit löst er beim Quartierverein Hirschmatt-Neustadt keine Begeisterung aus: «Informieren und den Dialog suchen ist ja gut und recht; aber wir erwarten andere Lösungen und wollen keine solchen Fanmärsche mehr durch unser Quartier», betont Markus Schulthess. Er macht auch einen konkreten Lösungsvorschlag: Die Gästefans, etwa die Zürcher, sollen mit Cars von Zürich aus direkt vor die Swissporarena in Luzern gefahren werden. Keine Anreise mit der Bahn, kein Umsteigen am Bahnhof und keine Märsche mehr durch die Stadt.

«Der Stadtrat hat nicht die alleingültige Lösung, um das Problem mit der Fangewalt in den Griff zu bekommen», räumt Stadtpräsident Stefan Roth ein. Man wolle die Vorfälle vom Pfingstmontag zusammen mit Kanton, Polizei, FC Luzern, Fan-Arbeit und Verkehrsbetrieben VBL analysieren. «Daraus sollen konkrete Massnahmen abgeleitet werden», sagt Roth. Als mögliche Massnahme nennt er die konsequente Trennung der Fanmärsche.

Stadt schliesst Verbot nicht aus

Für die Sicherheit in der Stadt und rund ums Stadion sind die Polizei und damit auch die kantonale Sicherheitsdirektion zuständig. Doch auch die Stadt könnte Massnahmen ergreifen. Fanmärsche müssen von der Stadt bewilligt werden, wie Stefan Roth bestätigt. Die Stadt könnte diese also künftig verbieten. Roth schliesst dies nicht aus, sagt aber: «Ein Verbot von Fanmärschen müssen wir auch aus polizeitaktischer Sicht analysieren. Wir werden nicht voreilig handeln.» Polizeikommandant Adi Achermann hatte am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung gesagt, dass er vermehrt Fans zu Fuss zum Stadion schicken will, wenn dies die Situation zulässt. Dies, weil sich ein Fanmarsch besser begleiten lasse als ein Transport mit Bussen.

Dass etwas getan werden muss, ist für den Stadtpräsidenten unbestritten: «Es macht mich betroffen, wenn Quartierbewohner wegen Fussballchaoten wegziehen wollen. Doch das Problem können wir nicht alleine lösen.»

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